KOMMENTAR

- 03.09.2021

Die Zurschaustellung der Frau im Sport

 

Der Minirock ist das Symbol der Befreiung der Frau und eine „Errungenschaft“ des Feminismus. Freizügigkeit wurde durch den Feminismus zum Zeichen für Emanzipation und Selbstbestimmung. Damit haben Feministen dem Kapitalismus ein lukratives Opfer in die Hände gespielt, der den „befreiten“ weiblichen Körper für seine Zwecke in Szene setzen kann, während sich die Frau dessen gar nicht bewusst ist. Vielmehr denkt sie, sich im Zuge der Emanzipation einen ebenbürtigen Platz neben dem Mann erkämpft zu haben und mit ihm auf Augenhöhe zu sein. Der Schuss des Feminismus ging jedoch nach hinten los und traf die Frau.

Das Bild im Sommer ist von freizügig gekleideten Frauen geprägt, nicht aber von halbnackten Männern. Einen Mann sieht man auch an heißen Tagen nicht in knapper Hose und bauchfreiem Oberteil, weil die kapitalistische Gesellschaft es nicht von ihm erwartet. Warum also sollte er seinen Körper auf diese Weise zur Schau stellen? Die Freizügigkeit der Frau liegt folglich nicht allein an den hohen Temperaturen im Sommer, sondern hängt mit der Idee von Freiheit zusammen, die man ihr eingeimpft hat und die ihr suggeriert, dass die Zurschaustellung ihres Körpers der höchste Ausdruck der Selbstbestimmung sei. Alles andere sei eine Form ihrer Unterdrückung, gegen die sie aufbegehren müsse. Diese Einstellung wurde der Frau zum Verhängnis, als sie sich auf die Zurschaustellung ihres Körpers „selbstbestimmt“ einließ.

Vor diesem Hintergrund darf es nicht überraschen, dass im Sport nicht die Leistung der Frau im Vordergrund steht, sondern ihr Körper. Dies betrifft die verschiedensten Sportarten. Während der Westen immer wieder auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau pocht und die unterschiedlichen Kleidervorschriften von Mann und Frau im Islam angreift, sieht er über die diskriminierende Kleiderordnung der Frau im Sport absichtlich hinweg und hält an ihr fest. Nur wenn in Einzelfällen Frauen aufbegehren und gegen die Kleiderordnung verstoßen, kommt Kritik auf, die abebbt, sobald der Vorfall wieder aus den Medien verschwindet. Das Thema war erst kürzlich wieder präsent, nachdem die norwegische Beachhandball-Nationalmannschaft der Frauen eine Strafe dafür erhielt, dass die Sportlerinnen bei der Europameisterschaft Shorts statt der vorgeschriebenen knappen Bikinihosen trugen. In den Regeln für Beachhandball heißt es: „Spielerinnen müssen Bikinihosen tragen, die der angehängten Abbildung entsprechen. Sie müssen körperbetont geschnitten sein, mit einem hohen Beinausschnitt. Die Seitenbreite darf höchstens 10 cm betragen.“ Männer dürfen hingegen Tanktops und Shorts tragen. Es besteht also kein Zweifel daran, dass die Öffentlichkeit nicht an der sportlichen Leistung der Frau interessiert ist, sondern vordergründig an ihrem Körper, der Zuschauer anlockt und Profit bringt. Der Frauenfußball stieße mit Sicherheit auf viel mehr öffentliches Interesse – vor allem von männlicher Seite –, wenn die Fußballerinnen nur Bikinis trügen.

Auch beim Tennis gibt es einen strengen Dresscode. Im Frauentennis waren bis vor kurzem noch kurze Röcke vorgeschrieben, bei denen es unvermeidlich ist, dass die Unterhose während des Spiels zu sehen ist. Als US-Tennis-Star Serena Williams bei den French Open 2018 nach ihrer Babypause in einem Ganzkörperanzug, einem sogenannten Catsuit, auftrat, und nicht im geforderten aufreizenden Röckchen, gab es einen riesigen Wirbel. Sie hatte es gewagt, der Öffentlichkeit den Blick auf ihren Körper zu verwehren. Erst nach diesem Auftritt von Williams wurde die Rockvorschrift etwas gelockert. Es sei an dieser Stelle noch einmal daran erinnert, dass der kurze Rock ein Zeichen von Emanzipation sein soll. Mit dieser Vorstellung hat man die Frauen indoktriniert. Der Feminismus trägt eine große Schuld daran, dass Frauen auf diese Weise im Sport vorgeführt werden. Er hat die Frau überhaupt erst in diese Situation gebracht.

Sportlerinnen werden inzwischen als Heldinnen gefeiert, wenn sie nicht mehr so viel Haut zeigen wollen und einen Ganzkörperanzug tragen. So war es im Falle der deutschen Turnerinnen, die es zwar nicht in das Olympia-Finale in Tokio geschafft hatten, aber trotzdem in den Medien gefeiert wurden, weil sie ihren Körper bis zu den Knöcheln bedeckten. Spiegel schrieb: „Sich gegen den Usus zu entscheiden, gegen die kurzen Outfits, dafür braucht es Führungsstärke. Die deutschen Athletinnen haben es bewiesen.“ Dabei haben die Turnerinnen nicht einmal gegen die Kleiderregeln im Turnen verstoßen. Sie konnten schon immer im Ganzkörperanzug turnen, taten es aber nicht. Trotzdem erhielten sie öffentlichen Applaus. Das heißt, wenn nichtmuslimische Frauen sich dazu entscheiden, ihren Körper zu bedecken, zeugt das von Führungsstärke. Wenn Muslimas dasselbe tun, gilt das als Unterdrückung und Fremdbestimmung. Der Knick in der Logik ist nicht zu übersehen und hat eine einfache Erklärung. Basiert die Entscheidung einer Frau, sich auf eine bestimmte Art zu kleiden, auf ihrem islamischen Glauben, wird ihre Entscheidung nicht als frei und selbstbestimmt anerkannt. Doch das Tragen des Kopftuchs in einer islamfeindlichen Gesellschaft erfordert bei weitem mehr Mut und Charakterstärke, als gegen irgendeine Kleidervorschrift im Sport zu verstoßen.

(U. A.)