KONZEPTION

- 18.09.2021

Die Erben der Propheten

 

Die ʿulamāʾ sind die Leute des Wissens und die Erben der Propheten (as) - ein Titel, der weder schlicht durch die Bestätigung einer Universität oder Madrasa verliehen wird, noch durch das Wissen selbst, welches sie sich angeeignet haben. Vielmehr ist dieser Titel mit einer großen Verantwortung verbunden, da sie die Aufgabe haben, den Menschen in Abwesenheit der Gesandten (as) das reine Wissen aus der Offenbarung Allahs (t) und der Sunna des Propheten (s) zu überbringen. Diese Aufgabe umfasst dabei die Wiedererleuchtung der Umma mit dem Licht des Wissens, wenn diese in die Dunkelheit der Unwissenheit zu versinken droht. Der Tod eines großen Gelehrten stellt deshalb einen großen Verlust für die Umma dar.

Der Gesandte Allahs (s) sprach:

«إن الله لا يقبض العلم انتزاعًا ينتزعه من الناس ولكن يقبض العلم بقبض العلماء حتى إذا لم يبقِ عالمًا، اتخذ الناس رءوسًا جهالا، فسئلوا فأفتوا بغير علم، فضلوا وأضلوا»

„Allah nimmt das Wissen nicht weg, indem Er es den Menschen entreißt, sondern Er nimmt das Wissen weg, indem Er die Gelehrten sterben lässt. Wenn dann kein Gelehrter mehr übriggeblieben ist, nehmen sich die Leute unwissende Führer, die, wenn sie gefragt werden, ohne Wissen Gutachten geben, so dass sie selbst in die Irre gehen und andere in die Irre führen.“  (al-Buḫārī; Muslim)

Die Gelehrsamkeit im Islam gleicht nicht der Priesterschaft in anderen Religionen, die Gesetze nach ihren eigenen Wünschen und zu ihrem eigenen Nutzen erlassen. So wie es die Leute der Schrift beispielsweise taten und dabei sogar behaupteten, ihre erlassenen Gesetze kämen von Allah (t). Vielmehr ist es eine große Verantwortung, den Menschen in Abwesenheit des Gesandten (s) die Botschaft zu überbringen, ohne dabei etwas zu verbergen. Diese Verantwortung wird jedoch nicht erfüllt, indem man sich nur auf das individuelle Predigen, Lehren und Leiten beschränkt. Sie wird auch nicht dadurch erfüllt, dass eine Person in ihrer Selbstgenügsamkeit die daʿwa trägt, indem sie beispielsweise Individuen zum Islam einlädt, die Werte des Islam predigt oder eine Madrasa gründet. Vielmehr erfordert diese Verantwortung vor allem eine sorgfältige politische Arbeit, wie sie von unserem geliebten Propheten (s) vermittelt wurde. Diese Verantwortung ist deutlich aus der Offenbarung Allahs (t) zu entnehmen. Er (t) befahl dem Propheten (s) hinauszugehen, um die Menschen zu Beginn des Prophetentums zum Islam aufzurufen.

Allah (t) sprach:

﴿إِنَّ لَكَ فِي النَّهَارِ سَبْحًا طَوِيلًا

Du hast ja am Tage lange Zeit für Beschäftigung. (73:7)

Sprachlich bedeutet subḥā ṭawīlan, dass man über einen langen Zeitraum in der Mitte eines Meeres schwimmt, ohne zu ruhen oder zu schlafen. Dies weist auf die Schwere der Überbringung der Botschaft hin, welche der Prophet (s) 23 Jahre lang mit der gleichen Sorgfalt übermittelte, wie es ihm Allah (t) anbefahl. Am Tag von ʿarafa machte der Gesandte Allahs (s) die Menschen zu Zeugen darüber, indem er (s) sprach:

«ألا هل بلغت… اللهم فاشهد»

„Habe ich es euch nicht übermittelt? ...Oh Allah! Sei Zeuge darüber.“ (al-Buḫārī)

Das Erbe der Propheten durch die ʿulamāʾ erfolgt also weder durch die unvollständige Weitergabe des Islams, noch durch die Selbstgenügsamkeit einer Person, die die daʿwa trägt mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Vielmehr bedarf es der sorgfältigen politischen Arbeit, bei der die Umma zur Errichtung des Kalifats aufgerufen wird, die Herrscher zur Rechenschaft gezogen werden und der Islam in seiner Gesamtheit gelehrt wird, ohne dabei etwas zu verbergen.

Die Offenbarung unvollständig zu übermitteln, indem man sie bewusst verheimlicht oder verändert, zieht einen großen Tadel und Fluch von Allah (t) nach sich.

Allah (t) sprach:

﴿إِنَّ الَّذِينَ يَكْتُمُونَ مَا أَنزَلْنَا مِنَ الْبَيِّنَاتِ وَالْهُدَىٰ مِن بَعْدِ مَا بَيَّنَّاهُ لِلنَّاسِ فِي الْكِتَابِ أُولَٰئِكَ يَلْعَنُهُمُ اللَّهُ وَيَلْعَنُهُمُ اللَّاعِنُونَ

Diejenigen, die verheimlichen, was Wir an klaren Beweisen und Rechtleitung hinabgesandt haben, nachdem Wir es den Menschen in der Schrift klar gemacht haben, sie werden von Allah verflucht und auch von den Fluchenden. (2:159)

Dieser Vers ist eine deutliche Mahnung und eine große Warnung für die Gelehrten, die Rechtssprüche Allahs (t) nicht zu verbergen oder zu verdrehen. Insbesondere das offensichtliche und klare, ungeachtet der Umstände - sei es aufgrund von Drohungen der unterdrückerischen Herrscher oder um magere Gewinne in diesem weltlichen Leben zu erzielen. So sind beispielsweise die Überlieferungen von Abū Huraira (r) in ihrer Gesamtheit auf das zurückzuführen, was er vom Propheten (s) bezüglich dieser Warnung gehört hat.

Abū Huraira überlieferte (r):

«لولا آية في كتاب الله تعالى ما حدّثتكم حديثاً»

„Hätte es nicht zwei (bestimmte) Verse im Buch Allahs des Allmächtigen gegeben, so hätte ich euch keinen einzigen Hadith überliefert.“ (al-Buḫārī)

Gemeint sind die Verse 159 und 160 der Sure Al-Baqara. Diese Verse wurden im Zusammenhang mit der Zurechtweisung der Gelehrten unter den Leuten der Schrift offenbart, die verheimlichten, was ihnen über die Ankunft des Propheten (s) offenbart wurde. Die Allgemeingültigkeit der Verse gilt jedoch für alle, die etwas verbergen. Dies wird zusätzlich durch einen Hadith bestätigt, in dem der Prophet (s) sagte:

«مَن كتَم علما ألجمه الله بلجام من النار»

„Wer ein Wissen verschweigt, den wird Allah am Tag des Gerichts mit dem Zaum des Feuers zügeln.“ (Ibn Māja)

Was den folgenden Teil der oben erwähnten Verse anlangt, in dem es heißt:

﴿...مِنَ ٱلْبَيِّنَـٰتِ وَٱلْهُدَىٰ...

…an klaren Beweisen und Rechtleitung… (2:159),

so bezieht er sich auf das, was offensichtlich und mit klaren Beweisen von Allah (t) verdeutlicht wurde, ohne, dass es in dieser Angelegenheit eine Meinungsverschiedenheit gebe. Der Ausdruck al-bayyina umfasst dabei ḥalāl, ḥarām, das Predigen und die Rechtssprüche, die in der Offenbarung Allahs (t) dargelegt wurden, um es mit den Worten von Imam Al-Qurṭubī auszudrücken. Offensichtlich bezieht sich der Vers auf das Verschweigen all dessen, was in der Scharia klar und eindeutig ist, wie beispielsweise das Regieren mit dem, was Allah (t) offenbart hat.

Allah (t) sprach:

﴿وَأَنزَلْنَا إِلَيْكَ الْكِتَابَ بِالْحَقِّ مُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ الْكِتَابِ وَمُهَيْمِنًا عَلَيْهِ فَاحْكُم بَيْنَهُم بِمَا أَنزَلَ اللَّهُ وَلَا تَتَّبِعْ أَهْوَاءَهُمْ عَمَّا جَاءَكَ مِنَ الْحَقِّ

Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber. So richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen entgegen dem, was dir von der Wahrheit zugekommen ist. (5:48)

Dazu gehört auch das eindeutige Verbot, sich Ungläubige als Verbündete zu nehmen.

Allah (t) sprach:

﴿لَّا يَتَّخِذِ الْمُؤْمِنُونَ الْكَافِرِينَ أَوْلِيَاءَ مِن دُونِ الْمُؤْمِنِينَ وَمَن يَفْعَلْ ذَٰلِكَ فَلَيْسَ مِنَ اللَّهِ فِي شَيْءٍ إِلَّا أَن تَتَّقُوا مِنْهُمْ تُقَاةً وَيُحَذِّرُكُمُ اللَّهُ نَفْسَهُ وَإِلَى اللَّهِ الْمَصِيرُ

Die Gläubigen sollen nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Schutzherren nehmen. Wer das tut, hat überhaupt nichts mit Allah (gemeinsam) -, es sei denn, dass ihr euch (durch dieses Verhalten) vor ihnen wirklich schützt. Allah mahnt euch zur Vorsicht vor Sich selbst. Und zu Allah ist der Ausgang. (3:28)

Hierzu zählen auch die Rechtssprüche in Bezug auf den Dschihad auf dem Weg Allahs (t), die keine anderen irreführenden Interpretationen erfordern, so wie in vielen anderen Versen des Koran.

Allah (t) sprach:

﴿انفِرُوا خِفَافًا وَثِقَالًا وَجَاهِدُوا بِأَمْوَالِكُمْ وَأَنفُسِكُمْ فِي سَبِيلِ اللَّهِ ذَٰلِكُمْ خَيْرٌ لَّكُمْ إِن كُنتُمْ تَعْلَمُونَ

Rückt aus, leicht oder schwer, und müht euch mit eurem Besitz und eurer eigenen Person auf Allahs Weg ab. Das ist besser für euch, wenn ihr (es) nur wisst. (9:41)

Dies beinhaltet auch die Strafen für das Überschreiten der Grenzen (ḥudūd) Allahs (t), wie beispielsweise das Auspeitschen des Unzüchtigen oder das Abtrennen der Hände eines Diebes.

Allah (t) sprach:

﴿تِلْكَ حُدُودُ اللَّهِ فَلَا تَعْتَدُوهَا وَمَن يَتَعَدَّ حُدُودَ اللَّهِ فَأُولَٰئِكَ هُمُ الظَّالِمُونَ

Dies sind Allahs Grenzen, so übertretet sie nicht! Wer aber Allahs Grenzen übertritt, diejenigen sind die Ungerechten. (2:229)

Dementsprechend ist es einem Gelehrten nicht erlaubt, irgendetwas von den klaren Beweisen (bayyināt) und der Rechtleitung, die uns Allah (t) offenbart hat, zu verbergen. Dennoch gibt es traurigerweise Gelehrte, die das Gebot, mit dem zu regieren, was Allah (t) herabgesandt hat, sowie das Verbot, mit den kufr-Gesetzen zu regieren, verheimlichen oder verdrehen. Zugunsten muslimischer Herrscher, die mit allem regieren, außer den islamischen Gesetzen, obwohl Allah (t) dies als klaren Beweis offenbart hat! Es gibt Gelehrte, die Rechtsgutachten für muslimische Herrscher erlassen, damit sich diese mit den Ungläubigen verbünden, um die Muslime zu töten. Und das während Allah (t) dies in Seiner (t) Offenbarung als klaren Beweis dargelegt hat! Es existieren Gelehrte, die die Verse bezüglich des Dschihad in Übereinstimmung mit weltlichen Gesetzen auslegen und sie verbergen, um den Ungläubigen zu gefallen! Um Allahs (t) Vergebung zu erlangen, liegt es bei ihnen, sich selbst zu korrigieren. Indem sie ihre Loyalität zu den muslimischen Herrschern, die mit den Gesetzen des Unglaubens regieren, aufgeben und den Menschen erklären, was Allah (t) klar dargelegt hat.

Allah (t) sprach:

﴿إِلَّا الَّذِينَ تَابُوا وَأَصْلَحُوا وَبَيَّنُوا فَأُولَٰئِكَ أَتُوبُ عَلَيْهِمْ وَأَنَا التَّوَّابُ الرَّحِيمُ

Außer denjenigen, die bereuen und verbessern und klar machen. Ihre Reue nehme Ich an, Ich bin ja der Reue-Annehmende und Barmherzige. (2:160)

Schlussendlich kann die Botschaft des Islam nicht ohne die Führung edler Gelehrter, die das reine Wissen von der Offenbarung Allahs (t) und der Sunna des Propheten (s) geerbt haben, an die Menschen weitergegeben werden. Die Geschichte hat viele solcher Gelehrter hervorgebracht, die den Islam sowohl intellektuell als auch materiell vor seinen Feinden geschützt haben. Als der Islam von fremden Ideen und Konzeptionen angegriffen wurde, standen edle Gelehrte an vorderster Front, um diese üblen Ideen abzuweisen. Und als die islamischen Länder von den Feinden des Islam angegriffen wurden, standen die edlen Gelehrten an vorderster Front, um die Menschen zum Dschihad aufzurufen, um die Ungläubigen aus den islamischen Ländern zu vertreiben. Da es also kein islamisches Kalifat gibt, ist es die Pflicht der heutigen Gelehrten, den Islam zu schützen, indem sie die Umma dazu auffordern, das rechtgeleitete Kalifat zu errichten, um fremde Ideen und den ungläubigen Kolonialisten aus den islamischen Ländern zu vertreiben. Ihr aufrichtigen Gelehrten des Islam, die Erben der Propheten! Schließt euch dem weltweiten Aufruf an vorderster Front an, um das rechtgeleitete Kalifat zu errichten, durch das der Islam umgesetzt und in die Welt getragen wird.

Allah (t) sprach:

﴿وَذَكِّرْ فَإِنَّ الذِّكْرَىٰ تَنفَعُ الْمُؤْمِنِينَ

Und ermahne, denn die Ermahnung nützt den Gläubigen. (51:55)

(E. D.)