PERSÖNLICHKEITEN

- 17.11.2012

Geschichten der ehrenwerten Sahaba - Abu Aql (r.a.)

Der hohe Stellenwert der Sahaba im Islam und ihre Wertschätzung bei den Muslimen kommen nicht von Ungefähr. Die Sahaba (r.a.) haben sich ab dem ersten Moment ihres Bekenntnisses zum Islam zutiefst mit dem Propheten (s.a.s.) verbunden gefühlt und sind ihren islamischen Pflichten in voller Ergebenheit nachgeeilt. Sie haben den Großteil ihres Lebens mit dem Propheten verbracht und sind ihm (s.a.s.) auf Schritt und Tritt gefolgt. Sie haben für die Erhöhung des Wortes Allahs und für die Verkündung des Islam an die gesamte Menschheit die größten nur erdenklichen Opfer gebracht. Es konnten sie weder Verleumdung noch Folter vom Einsatz für den Islam abbringen. Ganz im Gegenteil - sie verstanden es als große Ehre, im Dienste des Islam mit ihrem Leben zu zahlen – in tiefer Hoffnung auf Allahs Wohlgefallen. Ihr Selbstverständnis und ihre Aufopferungsbereitschaft beruhen auf ihrer Ergebenheit Allah (s.w.t.) gegenüber. Nach dem Gesandten Muhammad (s.a.s.) sind sie unsere größten Vorbilder.

Unser heutiger Sahabi, Abu Aql (r.a.), war finanziell sehr schwach. Umso stärker war er jedoch hinsichtlich seiner Gottergebenheit und Opferbereitschaft für den Islam. In seiner Jahiliyya hieß er Abdul-Uzza - Diener von Uzza, einem bekannten Götzen im vorislamischen Mekka. Seine Liebe zu dieser Statue, die sich selbst weder schaden noch nützen konnte, schien unermesslich groß zu sein. Doch unmittelbar nach seinem Übertritt zum Islam entwickelte Abu Aql (r.a.) einen unglaublichen Hass auf diesen Götzen, sodass der Gesandte (s.a.s.) ihm neben dem Namen Abdur-Rahman den Spitznamen Aduwwul-Awsan gab, was so viel bedeutet wie „der Feind der Götzen".

Seinem Namen gerecht werdend, nahm er gemeinsam mit dem Propheten (s.a.s.) an allen Schlachten gegen die Götzendiener teil. Das Wenige, was er an Materiellem hatte, spendete er für den Islam.

Als der Prophet (s.a.s.) eines Tages zu einer großzügigen Spende für die Sache Allahs aufrief, spendete unter anderem Abdur-Rahman ibn Auf (r.a.) die Hälfte seines Besitzes von 8.000 Dirham und übergab es dem Propheten, der (s.a.s.) folgendes Bittgebet für ihn sprach: „Allah möge das segnen, was du als Spende gegeben hast und auch das, was du zu Hause gelassen hast". Es wird überliefert, dass sich sein Besitz durch den Segen dieses Bittgebetes um ein Vielfaches vermehrte. So soll nach seinem Tode jede seiner Frauen 1/8 von seinem hinterlassenen Vermögen erhalten haben, was für jede ca. 160.000 Dirham bedeutete. Auch Asim Ibn Adiyy (r.a.) spendete großzügig, etwa 20 Tonnen Datteln, sodass der Gesandte (s.a.s.) auch für ihn das genannte Bittgebet sprach.

Als die Heuchler von diesen großzügigen Spenden erfuhren, waren sie einerseits erstaunt und andererseits voller Missgunst und Groll. So verleumdeten sie die aufrichtigen Spenden der Sahaba als einen Akt der Angeberei und Prahlerei. Auch Abu Aql (r.a.), der nicht viel besaß, trat vor und sprach zum Propheten (sa.s.): „Oh Gesandter Allahs, vorgestern Abend habe ich gegen Bezahlung einen Dattelgarten bewässert. Ich habe 2 Sa' (das entspricht ca. 6 kg Datteln) verdient. 1 Sa' habe ich bei meiner Familie gelassen und 1 Sa' habe ich dir gebracht, damit du es auf Allahs Weg ausgibst". Der Prophet (s.a.s.) sagte zu ihm, er solle die Datteln auf den Boden häufen.

Als die lauernden Heuchler Abu Aqls Spende erblickten und seine aufrichtige Großzügigkeit aufgrund ihrer krankhaften Herzen missdeuteten, begannen sie, ihn zu verspotten: „Damit Abu Aql zusammen mit den Reichen erwähnt wird, hat er 1 Sa' Datteln gebracht. Hat Allah die Datteln, die Abu Aql gebracht hat, denn überhaupt nötig?"

Noch bevor jemand hierauf reagieren konnte, offenbarte Allah (s.w.t.) die folgende Aya:

„Diejenigen, die da jene Gläubigen schelten, die freiwillig Almosen geben, wie auch jene, die nichts (zu geben) finden als ihre eigene Leistung, und sie deswegen verhöhnen, denen wird Allah ihren Hohn vergelten, und ihnen wird eine schmerzliche Strafe zuteil sein." (Sura At-Tauba, Aya 79)

Hiernach zogen sich die Heuchler beschämt zurück und Abu Aqls Trauer verstrich.

Die grenzenlose Opferbereitschaft Abu Aqls zeigt sich weiterhin in der Schlacht von Yamama, als die Muslime unter der Führung des Kalifen Abu Bakr (r.a.) gegen Musaylima, dem Lügner, und seinen Stamm kämpften. Musaylima lehnte sich auf und behauptete, er sei ebenso ein Prophet wie Muhammad (s.a.s.). Allahs Fluch auf ihm!

In dieser Schlacht war Abu Aql relativ früh verwundet und kampfunfähig, sodass man ihn vom Felde abzog und in ein Zelt brachte. Als die Schlacht jedoch an Heftigkeit zunahm und die Kampfstärke der Muslime schwand, rief Ma'n Ibn Adiy (r.a.) zu den Ansar:

„Fürchtet Allah! Fürchtet Allah! Verlasst nicht euren Graben, kehrt zurück und stellt euch dem Feind! Kommt auf diese Seite, kommt auf diese Seite!"

Die Muslime, die diese Worte vernahmen, formierten sich und bereiteten sich auf einen erneuten Angriff vor.

Abu Aql, der ebenfalls die Stimme Ma'ns vernommen hatte, wollte aufstehen um sich den Ansar anzuschließen. Dass er eigentlich nicht mehr imstande war, auf den Beinen zu stehen, war mehr als offensichtlich. Einige riefen:

„O Abu Aql, was machst du? Du kannst nicht kämpfen!"

„Hört ihr nicht? Sie rufen mich!", antwortete Abu Aql.

„Sie rufen die Ansar, nicht die Verletzten",

entgegneten sie. Abu Aql antwortete wie folgt:

„Ich bin auch einer der Ansar. Auch wenn ich kriechen muss, werde ich der Einladung Folge leisten."

Er raffte sich zusammen, band sich den Rücken und stand auf. Er nahm sein Schwert in die rechte Hand und rannte zu den Ansar. Er eiferte seinen Freunden nach und rief ihnen zu:

„Oh Ansar, kehrt so wieder zurück, wie ihr am Tage von Hunayn zu dem Feind zurückgekehrt seid und gewonnen habt."

Daraufhin griffen sie mit großem Mut den Feind erneut an und drängten ihn wieder zurück.

Den Zustand Abu Aqls zu diesem Zeitpunkt beschreibt Abdullah ibn Umar wie folgt:

„In der Schlacht erfasste zeitweise mein Blick Abu Aql. Sein verletzter Arm hatte sich von seiner Schulter getrennt und fiel auf den Boden. Darüber hinaus hatte er sich noch 14 tödliche Wunden zugezogen. Als letztlich der Feind Allahs geschlagen und Musaylima getötet wurde, eilte ich zu Aql. Er machte seine letzten Atemzüge. Mit lispelnder Stimme erkundigte er sich nach dem Ausgang der Schlacht. Ich sagte ihm: ‚Allahs Feind wurde besiegt'. Daraufhin hob er seinen Finger und konnte noch ‚Alhamdulillah' sagen".