KONZEPTION

- 29.07.2019

Medien zu Zeiten der Quraisch und heute

Immer wieder erfahren wir die Rolle der Medien im Schüren vorhandener Spannungen in Debatten über die Aufnahme und Integration von Minderheiten.

Die Nutzung von Medien zur Erzeugung anti-islamischer Propaganda ist eine uralte Taktik, die seit jeher von herrschenden Eliten eingesetzt wird, um Macht und Kontrolle über die Menschen zu erhalten sowie sie daran zu hindern, die Botschaft des Islam zu vernehmen. Als Antwort darauf müssen wir uns nach Möglichkeit an öffentlichen Debatten beteiligen, um den Islam zu verteidigen und uns für die Glaubensordnung Allahs einzusetzen.

Dass vor allem die westlichen Medien ihre Abneigung und Voreingenommenheit gegenüber dem Islam und den Anhängern des Islam in ihrer Berichterstattung durchscheinen lassen, ist nichts Neues. Aber warum werden gerade Muslime ausgesondert und gezielt diffamiert?

Der Angriff auf den Islam und die Muslime sollte für Menschen mit politischem Bewusstsein keine Überraschung sein. Denn die Medien haben zur Aufgabe, die Meinung und Sichtweise der breiten Öffentlichkeit nach Maßgabe der herrschenden Klasse zu beeinflussen. Edward Bernays, ein Berater der Woodrow Wilson-Regierung, sagte über die Medien: „Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben. [...] In beinahe jeder Handlung unseres Lebens, ob in der Sphäre der Politik oder bei Geschäften, in unserem sozialen Verhalten und unserem ethischen Denken werden wir durch eine relativ geringe Zahl an Personen dominiert, welche die mentalen Prozesse und Verhaltensmuster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden ziehen, welche das öffentliche Denken kontrollieren."

Mit der Fähigkeit, die Meinung der Gesellschaft zu formen, will die Elite sicherstellen, dass ihr Status erhalten bleibt. Jedes Mal, wenn eine alternative Lebensweise aufkeimt und Menschen in ihren Bann zieht, wird sie alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, diese Alternative zu diskreditieren und zu untergraben. Der Islam ist eine Ideologie, die im Gegensatz zu anderen Systemen vom Schöpfer der Himmel und der Erde formuliert wurde, eine Ideologie, die nicht abhängig ist vom begrenzten und manipulierbaren menschlichen Verstand. Der Islam umfasst ein System, das nicht nur die Grundfragen der Menschheit zufriedenstellend beantwortet, sondern auch dafür sorgt, dass Gerechtigkeit und Würde die Menschheit erfüllen. Als Folge befürchten die Eliten, ihre Macht zu verlieren, weil sie verstanden haben, dass sie die Massen nicht mehr uneingeschränkt im Zaum halten können, sollte irgendwo in der islamischen Welt ein rechtgeleitetes Kalifat das Licht der Welt erblicken. Dies ist der Grund der permanenten, schwerwiegenden Angriffe gegen den Islam und die Muslime in den Medien.

Die Eliten von heute, die feindlich zur Botschaft des Islam stehen und alles Mögliche tun, um seine Glaubensordnung zu verunglimpfen, sind dieselben Eliten (Mala'), denen die Propheten (a.s.) gegenüber standen. Allah (s.w.t.) sagt im Qur'an:

„Wir entsandten Noah zu seinem Volk, und er sagte: „O mein Volk, dient Allah; ihr habt keinen anderen Gott außer Ihm. Wahrlich, ich fürchte für euch die Strafe eines großen Tages." Es sagten die Vornehmen (Mala') seines Volkes: „Wahrlich, wir sehen dich in einem offenkundigen Irrtum." (Sura A'araf 7, Ayat 59-60)

„Und zu den 'Ad (entsandten Wir) ihren Bruder Hud. Er sagte: „O mein Volk, dient Allah; ihr habt keinen anderen Gott außer Ihm. Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein?" Die ungläubigen Vornehmen (Mala') seines Volkes sagten: „Wahrlich, wir sehen dich in Torheit, und wahrlich, wir erachten dich für einen Lügner." (Sura A'araf 7, Ayat 65-66)

„Und die Vornehmen (Mala') seines Volkes, die ungläubig waren, sagten: „Wenn ihr Šchu'aib folgt, seid ihr wahrlich verloren." (Sura A'araf 7, Aya 90)

„Die Vornehmen (Mala') von Pharaos Volk sagten: „Willst Du zulassen, dass Moses und sein Volk Unheil im Lande stiften und dich und deine Götter verlassen?" Er (Pharao) sagte: „Wir wollen ihre Söhne umbringen und ihre Frauen am Leben lassen; denn wir haben Gewalt über sie." (Sura A'araf 7, Aya 127)

Auch der mekkanische Stamm der Quraish verwendete mediale Propaganda oft als Werkzeug zur Diskreditierung des Propheten (s.a.s.) und der Botschaft des Islam, um die Menschen vor dem Din Allahs (s.w.t.) abzuschrecken. Sie wussten, dass sie mit ihm (s.a.s.) keinen freien Ideenaustausch austragen konnten, denn die Falschheit ihrer Lebensweise war der Wahrheit und der Durchdringungskraft des Qur'an nicht gewachsen.

Als der Islam zum Diskussionsthema der Leute von Mekka und der arabischen Halbinsel wurde, suchte die Elite (Mala') von Quraish Hilfe beim Medien-Mogul seiner Zeit Al-Waleed bin Al-Mughirah. Sie waren sich darin einig, dass sie eine Strategie brauchten, mit der sie die „Herzen und Köpfe" der arabischen Pilger gewinnen könnten, die möglicherweise die neue Art des Lebens, gepredigt vom Gesandten Allahs (s.a.s.), annehmen würden. Al-Waleed forderte sie auf, einen Beschluss gegen den Propheten auszuarbeiten, dem alle zustimmen sollten. Einige meinten, ihn als Wahrsager zu beschreiben, andere schlugen vor, ihn als einen von Geistern Besessenen abzustempeln, andere wollten ihn einen Poeten nennen und andere wiederum wollten ihn der praktizierenden Zauberei beschuldigen. Al-Waleed wies darauf hin, dass keine dieser Beschreibungen zu der Art und dem Auftreten des Gesandten (s.a.s.) passte und dass daher die ersinnten Anschuldigungen gegen ihn die Öffentlichkeit nicht überzeugen würden. Am Ende aber waren sie sich dennoch einig, ihn des Wortzaubers zu bezichtigen, der Familien zerbricht, Söhne von ihren Vätern trennt, Brüder von ihren Brüdern und Frauen von ihren Ehemännern.

Als die Quraish diese Propaganda und Verleumdung in der gesamten arabischen Halbinsel verbreiteten, bewegte dies die Menschen dazu, dem Propheten (s.a.s.) aus Angst vor den Folgen seiner „Zauberei" nicht mehr zuzuhören. Einige gingen so weit, dass sie Baumwolle in ihre Ohren steckten, aus Angst die Worte des Propheten (s.a.s.) zu hören und von seiner „Magie" beeinträchtig zu werden.

Die permanente mediale Herabwürdigung des Islam hat ähnliche Ergebnisse wie in der Zeit des Propheten (s.a.s.) hervorgebracht. Die Meinung der Öffentlichkeit wurde mit negativen Darstellungen über den Islam derart bombardiert, dass viele einfach nichts vom Islam wissen möchten - eine Religion, die als hasserfüllt und gewaltsam abgestempelt wird. So beschreiben Frauen heute sogar, dass sie erzittern, wenn sie eine muslimische Frau mit einem Schleier sehen.

Auch wenn die Angriffe auf den Islam und die Muslime weitergehen, so müssen wir bei der Verkündung des Islam standhaft bleiben, wie der Prophet Muhammad (s.a.s.) und die Propheten (a.s.) vor ihm, und diese Lüge mit der Wahrheit des Islam bloßstellen. Wir müssen Vertrauen in den Islam haben, wie Allah (s.w.t.) es offenbart hat:

„Vielmehr werfen Wir die Wahrheit (diesen Qur'an) gegen die Lüge, sodass im Mark getroffen und so vernichtet wird." (Sura Anbiya 21, Aya 18)

Die Muslime durchleben eine harte Zeit; wir können keine Zeitung öffnen, keinen Fernseher einschalten oder im Internet surfen, ohne auf Anschuldigungen und Lügen gegen unseren Din, gegen den Gesandten (s.a.s.) und gegen die islamische Umma in ihrer Gesamtheit zu treffen. Dies hat dazu geführt, dass einige sich vom Islam abgekehrt haben, während andere versuchen, den Islam in einer Weise zu erklären, die die Kritiker beruhigt. Wir dürfen nicht in diese Fallen tappen, vielmehr müssen wir den Islam verteidigen, indem wir seine Grundlagen erläutern, wie beispielsweise die Aqida, und die Wahrheit verdeutlichen, die uns anvertraut wurde, indem wir die Menschen aus der Dunkelheit der Unwissenheit zum Licht des Islam ohne Kompromisse einladen. Egal, wie hart die Prüfungen sind, die uns widerfahren, müssen wir uns stets vor Augen halten, dass der Iman kein Lippenbekenntnis sein darf. Wir dürfen nicht behaupten Gläubige zu sein, ohne zu erwarten, im Hinblick auf diese Behauptung geprüft zu werden.

Allah (s.w.t.) offenbarte:„Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen werden, wenn sie bloß sagten: „Wir glauben", und meinen sie, sie würden nicht auf die Probe gestellt? Und Wir stellten doch die auf die Probe, die vor ihnen waren. Also wird Allah gewiss die erkennen, die wahrhaftig sind, und gewiss wird Er die Lügner erkennen." (Sura Ankabut 29, Ayat 1-3)

Unabhängig von der Härte der Prüfung, die wir erfahren, müssen wir sie standhaft ertragen indem wir weiterhin die uns anvertraute Pflicht erfüllen – nämlich die Pflicht zum Aufruf zu Allah (s.w.t.) und dem Islam. Was auch immer der Gläubige erträgt, er ist nie im Verlust, denn er arbeitet für die unermessliche Belohnung, die der Allmächtige ihm versprochen hat. Der Prophet (s.a.s.) sagte: „Jede Situation im Leben eines Gläubigen ist für ihn segensreich. Dies ist nur bei einem Gläubigen so. Wenn ihn Gutes trifft, ist er dankbar, so dass es gut für ihn ist. Trifft ihn etwas Schlechtes, ist er geduldig, und das ist auch gut für ihn." (Muslim)

Wenn wir uns die Sahaba anschauen, so finden wir in ihnen hervorragende Beispiele in der Hartnäckigkeit beim Tragen der Da'wa, unabhängig von den Hindernissen, denen sie begegneten. Viele von ihnen wurden für das Tragen der Da'wa gefoltert und geschlagen, was sie in ihrer Entschlossenheit nur stärkte. Zum Beispiel als der Prophet (s.a.s.) und die Sahaba in Makka lebten (vor der Hidschra), sagte Abdullah Ibn Masud, er würde die Quraish dazu bringen, den Qur'an anzuhören. So ging er eines Morgens zur Ka'ba und las den Qur'an laut vor, woraufhin die Quraish begannen ihn zu verprügeln. Als er zu den Sahaba zurückkehrte, sagten sie zu ihm: „Dies ist es, was wir befürchten, dass mit dir geschehen würde." Er sagte: „Allahs Feinde waren in meinem Anblick nie so verachtenswert, wie sie es jetzt sind, und wenn ihr wollt, so werde ich morgen gehen und das Gleiche vor ihnen tun."

Allah (s.w.t.) machten sie schließlich in dieser Welt über ihre Feinde siegreich und gewährte ihnen sein Wohlgefallen im Jenseits:„[...] - mit ihnen ist Allah wohl zufrieden und sie sind wohl zufrieden mit Ihm;[...]" (Sura Tauba 9, Aya 100)

Wenn wir Allahs (s.w.t.) Wohlgefallen erlangen möchten, müssen wir dem Beispiel des Gesandten (s.a.s.) und seiner Gefährten folgen, allen medialen Negativkampagnen trotzen und den Islam als reine Botschaft Gottes unbeirrt weitertragen.

Möge Allah uns die Stärke und Entschlossenheit geben, den Sorgen unserer Zeit zu trotzen und beim Tragen der Botschaft des Islam und der Widererrichtung Seiner Glaubensordnung auf Erden immer in erster Reihe zu stehen.