ANALYSE

- 24.04.2015

Wirtschaftskrisen im Vergleich zwischen Islam und Kapitalismus – Teil 4

4. Der Islam und wie er die Entstehung von Krisen verhindert

Der Islam verhindert die Entstehung von Krisen, die im Geldsystem begründet liegen. Denn die staatliche Währung ist an Silber und Gold gebunden. Dem islamischen Staat ist es nicht erlaubt, einen anderen Währungsstandard festzulegen.

Als der Islam nämlich das Horten von Geld verboten hatte, waren insbesondere Gold und Silber angesprochen. Und dies, obwohl im Arabischen alles als Geld bezeichnet wird, was als Zahlungsmittel gebräuchlich ist und sich nicht nur auf Gold und Silber beschränkt. Das beweist, dass Gold und Silber im Islam einen verbindlichen Währungsstandard darstellen. Was ebenfalls auf den Gold- und Silberstandard hindeutet, ist die Tatsache, dass der Islam die Gesetze der Sharia an Gold und Silber geknüpft hat, wie z.B. den Wert des Diebesgutes, ab dem die Hand abgeschlagen wird, die Menge des Blutgeldes oder die Zakah.

Hierdurch verhindert das islamische Geldsystem Finanzkrisen kapitalistischer Art und macht den Staat wirtschaftlich unabhängig. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der weltweiten Gold- und Silbervorkommen sich auf die islamische Welt konzentrieren. Hieraus wird ersichtlich, dass die Kontrolle über Amerika in den Händen der Muslime liegt – ja sogar die Macht zum Sturz Amerikas und der gesamtenkapitalistischen Wirtschaftsordnung. All dies ohne Kriege, sondern lediglich durch die Gründung eines ideologischen Staates, welcher Gold und Silber zu seinem Währungsstandard erhebt.

Was den Zins anbelangt, so hat der Islam es nicht bei einem einfachen Verbot belassen. Denn im Qur'an wird klargestellt, dass jene, die mit Zins handeln, sich in einem Krieg gegen Allah und Seinen Gesandten befinden. Darüber hinaus hat der Qur'an denjenigen, der mit dem Zins handelt, mit jenem verglichen, der vom Shaitan berührt wird.

„Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und zum Wahnsinn getrieben wird." [Sura
Al-Baqara 2: Aya 275]

Der Islam hat den Zins nicht nur verboten, sondern er hat auch ein System dargelegt, welches die Entstehung von Zins unterbindet. So ist es dem islamischen Staat geboten, die grundlegenden Lebensbedürfnisse seines Volkes sicherzustellen. Was Unternehmer oder andere Personen betrifft, die Geld für eine Investition benötigen, so hat der Islam dazu angehalten, Kredite ohne Zinsen zu vergeben. So wird von Ibn Masud überliefert, dass der Prophet (s.a.s.) sagte: „Kein Muslim verleiht einem Muslim zweimal Geld, ohne dass das zweite Mal als Spende gezählt wird." Darüber hinaus hat der Islam die unterschiedlichen Unternehmensformen und die diesbezüglichen Handelsgesetze aufgezeigt; ebenso die islamisch legitimen Wege zur Vermehrung des Geldes.

In einer Gesellschaft, in welcher der Islam umgesetzt wird, besteht keine Notwendigkeit für den Zins. Denn durch ein zinsfreies Wirtschaftssystem werden die Ursachen für Krisen, wie wir sie aus dem Westen kennen, im Keim erstickt. Auch wenn der Westen mittlerweile erkannt hat, dass das Zinssystem die Ursache für die turbulenten Krisen ist, so findet er dennoch keine Lösung für das Problem und benötigt dringend Hilfe von einer Instanz, die ihm den Ausweg weist. Dies geschieht nur durch einen Staat, der die islamische Aqida für sämtliche Lebensbereiche zugrunde legt und das islamische Wirtschaftssystem, welches dieser Aqida entspringt, anwendet. Sodann werden die Früchte dieses göttlichen Systems in der islamischen Gesellschaft sichtbar, und der Menschheit – insbesondere der westlichen Zivilisation – wird die Alternative zum Kapitalismus klar ersichtlich.

Was die Entstehung von Eigentum betrifft, so hat der Islam Maßnahmen ergriffen, die die Entstehung von Krisen verhindern, die aus einer falschen Betrachtungsweise des Eigentums entstehen. Dem Individuum ist es nicht verboten, sich Eigentum anzueignen, wie es im Sozialismus der Fall ist. Gleichzeitig hat der Islam dem Menschen nicht die absolute Freiheit zum Eigentumserwerb gegeben, sondern den Eigentumserwerb als ein Recht des Menschen beschrieben, das bestimmten Gesetzen unterliegt. Diese Gesetze definieren die Art und Weise, wie man zu Eigentum gelangt und welche Güter als Eigentum gelten, ohne ihm dabei eine Grenze in der Menge zu setzen. Des Weiteren hat der Islam das Recht der Gemeinschaft geschützt, indem er sämtliche Dinge und Einrichtungen, die die Interessen der Gemeinschaft berühren, zum Allgemeingut erklärt und den Einzelnen bzw. das Individuum als Eigentümer ausgeschlossen hat. Auch hat er die Verwaltung über dieses Allgemeingut dem Staate auferlegt. So sagte der Gesandte Allahs (s.a.s.): „Die Muslime sind Teilhaber bei drei Dingen: Wasser, Weideland und Feuer." (überliefert bei Ahmad und Abu Dawud)

Was den Staat betrifft, so hat der Islam dem Staat spezielles Eigentum zugeschrieben, weshalb der Staat nicht auf die Erhebung permanenter Steuern angewiesen ist. Zu den bekannten Tatsachen über den islamischen Staat gehört, dass die Schatzkammer (Bayt-ul-Mal) des Staates sich füllte, während der Staat die Botschaft des Islam als Rechtleitung und Barmherzigkeit an die Menschheit herantrug. Hierdurch war der Staat unabhängig von Krediten und somit im Besitz wahrer Souveränität.

Bezüglich der Betrachtung des Lebens sieht der Islam die wahre Glückseligkeit im Erlangen des Wohlgefallen Allahs:

"Suche in dem, was Allah dir gegeben hat, die Wohnstätte des Jenseits; und vergiss deinen Anteil in der Welt nicht; und tue Gutes, wie Allah dir Gutes getan hat." [Sura Al-Qasas, Aya 77].

Hierbei betrachtet der Islam das Streben nach Besitz als ein Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse und hat es verboten, nach Besitz zum Zwecke der Prahlerei zu streben. Es sprach der Gesandte Allahs (s.a.s.): „Wer das Diesseits auf dem erlaubten Weg zum Schutz seiner selbst anstrebt und dabei seiner Familie gibt und seinen Nachbarn nicht vergisst, der wird am Tage des Gerichts mit einem Gesicht wie der Vollmond da stehen. Wer jedoch das Diesseits auf dem erlaubten Wegen anstrebt, dabei aber die Prahlerei, Vermehrung und das Gesehen werden bezweckt, der wird Allah zornig antreffen." (bei Abi Shaybah in seinem Musannaf überliefert)

Auf der einen Seite steht also der Kapitalismus, welcher das Ergebnis des menschlichen Verstandes ist, samt all seiner Krisen und auf der anderen Seite steht der
Islam, die Offenbarung des Herrn der Welten und was aus ihm an Lösungen für die Probleme des Menschen resultiert. Heute sehen wir die Menschheit in der Dunkelheit umherirren - ohne einen Retter; außer dem, was als Offenbarung vor 1400 Jahren herabgesandt wurde. Die Umsetzung dieser Offenbarung erfolgt nur durch die Errichtung des islamischen Staates, der vom ersten Tag an mit der Umsetzung des Islam und dem Tragen der Barmherzigkeit und Rechtleitung des
Islam beginnen wird, sodass die Menschheit aus der Dienerschaft der Diener hin zur Dienerschaft des Herrn der Diener geführt wird und von der Enge des Diesseits zur Weite des Dies- und Jenseits und von der Ungerechtigkeit des Kapitalismus zur Gerechtigkeit des Islam.

„Ist nun dieser besser, der sein Gebäude aus Furcht vor Allah und (um Sein) Wohlgefallen gegründet hat, oder jener, der sein Gebäude auf dem Rand einer wankenden, unterspülten Sandbank gründete, die mit ihm in das Feuer der Hölle gestürzt ist? Und Allah weist nicht den sündhaften Leuten den Weg." (Sura Al-Tauba, Aya 109)