ISLAMRECHTLICHE UND INTELLEKTUELLE F&As

- 24.05.2015

Ist die Arbeit für die Errichtung des Islamischen Staates ausschließlich auf die arabischen Länder beschränkt?

بسم الله الرحمن الرحيم

An: Malik Murad

Frage:

Assalamu Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuhu

Ich bete zu Allah (swt), dass er dir Erfolg beschert und uns schon bald – so Gott will - durch deine Hände zum Sieg verhilft. Diese Angelegenheit gebührt einzig Allah (swt) und wir bezeugen, dass du der beste Nachfolger der besten Vorgänge bist.

Im Buch „Konzeptionen von Hizb-ut-Tahrir" wird auf Seite 35der deutschen Ausgabe (6. Auflage) Folgendes erwähnt:

Das Tragen der islamischen daʿwa und der politische Kampf finden in jener Gesellschaft statt, die die Partei als Aktionsgebiet (arab. mağāl) definiert hat. Hizb-ut-Tahrir betrachtet die gesamte islamische Welt als eine einzige Gesellschaft, denn die essentielle Frage, um die es geht, ist (in allen Ländern) ein und dieselbe, nämlich die des Islam. Allerdings legt die Partei den Anfangspunkt (nuqtat al-ibtidāʾ) in die arabische Welt, in ihrer Eigenschaft als Teil der islamischen Welt. Sie ist der Meinung, dass die Entstehung eines islamischen Staates in den arabischen Ländern als Keim für den islamischen (Groß-)Staat der natürliche Schritt dazu ist.

Außerdem steht im Buch „Die parteiliche Blockbildung" auf Seite 3 der deutschen Ausgabe (4. Auflage):

Deshalb ist es natürlich, dass der Islamische Staat in der arabischen Welt entsteht, die einen Ausgangspunkt für den Staat darstellt, der letztendlich die gesamte islamische Welt umfassen wird. Auch wenn es unabdingbar ist, dass in den arabischen Ländern zum Islam aufgerufen wird, ist es genauso unabdingbar, dass die daʿwa in die gesamte islamische Welt getragen wird.

Der Beginn der Aktivitäten in den arabischen Ländern bedeutet nicht, dass in anderen Teilen bis zur Verwirklichung der Einheit im Islamischen Staat die Arbeit ruht. So wird in der arabischen Welt für die Errichtung des Islamischen Staates gearbeitet, der im weiteren Verlauf in seine Nachbarländer hineinwächst, ohne Beachtung, ob es sich um ein arabisches oder nichtarabisches Land handelt.

Kann aus diesen Texten verstanden werden, dass die Zielländer, in denen wir für die Errichtung des Kalifats arbeiten, nur die arabischen Länder sind und die Arbeit in den restlichen, nichtarabischen Ländern lediglich darauf abzielt, die daʿwa zutragen, ohne den Islamischen Staat dort zu etablieren?Diese Frage stellt sich mir vor allem deshalb, weil erwähnt wird, dass der Keim des bevorstehenden Islamischen Staates – mit der Erlaubnis Allahs – in der islamischen Welt gesetzt werden muss.

Bitte erläutere die spezifische Bedeutung dieser Texte, denn ich bin mir über ihre Bedeutung nicht ganz im Klaren.

Möge Allah (swt) dich segnen, unser Amir, und möge Allah (swt) uns durch dich siegreich machen und uns den Sieg durch deine Hände geben.

Antwort:

Wa Alaikum Assalam wa Rahmatullahi wa Barakatuhu

Aus den zitierten Texten der beiden Bücher „Konzeptionen von Hizb-ut-Tahrir" und „Die parteiliche Blockbildung" darf nicht verstanden werden, dass die Arbeit für die Errichtung des Staates auf die arabischen Länder beschränkt sei. Beide Texte erwähnen, dass es nur natürlich wäre, wenn der Staat in einem der arabischen Länder gegründet würde und nicht in einem anderen. Dies ist deshalb so, weil die arabische Sprache die Sprache des Islam ist. Sie ist unerlässlich für das Begreifen des Islam und den Vollzug des iğtihād. Deswegen ist es vorrangig und naheliegend, dass der Staat in den arabischen Länderngegründet wird, die dem Arabischen mächtig sind.

Dies muss aber nicht zwangsläufig eintreten. Der Staat kann durchaus auch in einem der nicht-arabischen Länder gegründet werden, denn die gesamte islamische Welt ist für die Gründung des Kalifats geeignet, auch wenn der Fokus auf den arabischen Ländern liegt.Der Hizbbeschränkt seine Arbeit für die Gründung des Staates nicht auf die arabischen Länder, sondern arbeitet auch in den nicht-arabischen Ländern für die Gründung des Staates. Die Partei wurde in den arabischen Ländern gegründet und arbeitete dort. Der mağāl (Aktionsgebiet, in dem die Gründung des Staates angestrebt ist) war anfänglich dort, weil die Partei sich dort stets befand und es der Ort ihrer Arbeit ist. Als sich jedoch die daʿwa über die arabischen Länder hinweg ausbreitete und außerhalb der arabischen Welt auf fruchtbaren Boden stieß, erweiterte die Partei ihrenmağāl (Aktionsgebiet) und begann für die Errichtung des Kalifats in den muslimischen Ländern zu arbeiten, unabhängig davon, ob es sich um arabische oder nicht-arabische Länder handelt. Wenn also das Naheliegende erreicht wird und der Staat in den arabischen Ländern errichtet worden ist, dann gebührt alles Lob Allah (swt), und wenn der Staat in einem anderen islamischen Land errichtet worden ist, dann gebührt ebenfalls alles Lob Allah (swt).

(وَرَبُّكَ يَخْلُقُ مَا يَشَاءُ وَيَخْتَارُ)

Und dein Herr erschafft, was Er will, und erwählt, was Ihm gefällt.[al-Qaṣaṣ(28); 68]

Und wir ersuchen die Hilfe von Allah (swt).

Euer BruderʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū Ar-Raštah

20. Dūl-Ḥiğğah 1435n.H.14. Oktober 2014 n.Chr.