KONZEPTION

- 03.05.2016

Warum sich Muslime nicht auf die UN verlassen können

Hinweis von Kalifat.com: Der folgende - aus dem Englischen übersetzte - Artikel ist zwar von 2006, doch aufgrund der immer wiederkehrenden Verbrechen Israels und den hinterhältigen politischen Plänen der UN im Hinblick auf die andauernde Syrienrevolution, sind die im Artikel präsentierten Konzeptionen für die islamische Umma von aktueller Relevanz und Wichtigkeit. Die englische Version des Artikels ist unter folgendem Link zu finden: awaremuslim.blogspot.de/2006/11/why-muslims-cannot-rely-on-un.html

Warum sich Muslime nicht auf die UN verlassen können

Kürzlich bombardierte Israel die unbewaffneten Bewohner von Beit Hanun in Gaza. Laut der BBC-Berichterstattung waren ein Großteil der 18 erschossenen Personen Frauen und Kinder. Weiterhin berichtete BBC, dass im Monat November 80 Palästinenser umgebracht wurden. Zusätzlich wurde erwähnt: „Seitdem die israelische Armee ihre Operationen Ende Juni intensivierten, sind nahezu 400 Menschen gestorben. Viele von ihnen waren Zivilisten“.

The Guardian berichtete: „Gemäß Human Rights Watch hat Israel seit September 2005 ungefähr 15.000 Schüsse auf Gaza abgefeuert, während palästinensische Militante 1.700 Schüsse zurückfeuerten. Die letzten Enthüllungen sind öffentlich geworden, nachdem eine pro-arabische Bewegung Israels Offensive in Gaza scharf verurteilte und dies zu einer Debatte im UN-Sicherheitsrat führte, während es in den Hauptstädten des Nahen Ostens zu Demonstrationen kam.“

Wie in The Independent zitiert wurde, sagte Sarah Leah Whitson von Human Rights Watch: „Israelische Kräfte starteten den Artilleriebeschuss auf Beit Hanun zu einer Zeit, als ihre Befehlshaber wussten - oder es hätten wissen müssen - dass das Risiko von zivilen Toten jeglichen definitiven militärischen Vorteilen weit überwog.“

Die von Israel kürzlich erfolgten Aggressionen wecken Erinnerungen an den vergangenen Sommer, als Israel den Libanon mit mindestens 35.000 Clusterbomben bombardierte. Während diesem Einsatz sind Tausende von Menschen gestorben, 3 Flughäfen wurden bombardiert, 62 Brücken zerstört, 3 Dämme und 3 Häfen getroffen, 5.000 Häuser, 22 Tankstellen, 152 Unternehmen einschließlich einer Taschentuch-Fabrik, 2 Kraftwerke, 1 Abwasserkanal, TV-Stationen, 80% der Hauptstraßen, Schulen und Krankhäuer stark beschädigt. Die Kosten für die Schäden an der Infrastruktur betrugen mehr als 3 Milliarden Dollar.

Die Realität Israels

Der Staat Israel ist auf einem Land gegründet worden, dass mit Gewalt an sich gerissen worden ist. Sowohl Muslime als auch Christen wurden vertrieben. Jede objektive Person, die sich der Geschichte bewusst ist, weiß das. Als Beispiel ist Oren Ben-Dor, welcher sich selbst als Ex-Israeli und britischen Akademiker bezeichnet, zu nennen, der an der Universität Southampton Philosophie, Recht und politische Philosophie lehrt. Für die Zeitung UK Independent schrieb er: „Israels Staatlichkeit basiert auf einer ungerechten Ideologie, welche Erniedrigung und Leid für diejenigen mit sich bringt, die als nicht-jüdisch klassifiziert werden, sei es nun nach religiösen oder ethnischen Maßstäben. Israel ist ein Terrorstaat der seinesgleichen sucht.“

Paul Craig Roberts, Assistenzsekretär des Finanzministeriums während der Reagan-Administration, bestätigte dies: „Israel ist ein künstlicher Staat, der von den europäischen Kolonialmächten nach dem Zweiten Weltkrieg in den arabischen Ländern gegründet worden ist. Anstatt für eine gewisse Akzeptanz zu arbeiten und die arabische Feindschaft zu überwinden, hat Europa das „Judenproblem“ in den Nahen Osten verlagert. Seitdem hat sich Israel seine Nachbarn im Nahen Osten zum Feind genommen. Israel kann seine Einschüchterungstaktik anwenden, weil die USA wie ein großer Bruder Israels auftreten. Mit seiner „Zähne und Klauen“-geführten Politik gefährdet Israel jedoch sein eigenes Existenzrecht.“

Hält man sich Israels gewalttätigen Kurs vor Augen, erwartet man von den Vereinten Nationen (UN) eine einstimmige Verurteilung des Massakers von Beit Hanun. Obwohl Mitglieder des UN-Sicherheitsrats eine Resolution vorgebracht haben, um die Attacken zu verurteilen, legten die USA ihr Veto ein. Dies war nicht das erste Mal, dass die USA Israel gedeckt haben. Um Israel zu schützen, haben die USA bereits 30 Mal von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht.

Die UN beaufsichtigt die Ausbeutung der Muslime

Für manche ist die UN die einzige funktionsfähige Organisation, die für die Muslime einstehen kann. Möchte man allerdings diese Idee beurteilen, sollte man sich die Erfolgsgeschichte der UN in Bezug auf die Umma vor Augen führen. Welche Hilfe leistete die UN den Muslimen aus dem sogenannten „UN-Rückzugsort“ Srebrenica in Bosnien, als im Juli 1995 Tausende Muslime massakriert wurden, nachdem die UN- Streitkräfte die unbewaffneten Muslime im Stich gelassen haben?

Welche Hilfe leistete die UN dem Irak, welches sich in ein Land verwandelte, in dem es keine Sicherheit mehr für Muslime gibt und welches kurz vor dem Zusammenbruch steht? Was hat die UN getan, um die Zerstörung Afghanistans seitens der amerikanischen Armee zu verhindern, welche hilflose Zivilisten bombardierte? In Wahrheit sind die UN und das internationale Recht untauglich. Es sind lediglich Instrumente in den Händen der Kolonialmächte. Amerika und Großbritannien würden es niemals erlauben, dass eine Resolution verabschiedet wird, die militärische Aktionen gegen Israel autorisiert, trotz der Besatzung der Ländereien seitens Israel, seiner Kriegsverbrechen und dem systematischen Abschlachten der Zivilbevölkerung.

Wie oben bereits erwähnt, werden die USA gegen jede UN-Resolution stimmen und von ihrem Vetorecht Gebrauch machen, wenn diese ihre eigenen Interessen untergraben. In Wirklichkeit hat die USA in den letzten 30 Jahren öfter von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht, als alle anderen UN-Mitgliedsstaaten zusammen (USA 81 Mal, die Welt 71 Mal). Außerdem sind die UN-Resolutionen offen für subjektive Interpretationen seitens der Westmächte. Als Beispiel ist eine Resolution zu nennen, die die Beherbergung von Terroristen tadelt. Dabei ist noch nicht einmal klar definiert, was ein Terrorist ist. Diese Resolution wird von den USA und Großbritannien gegen einige Länder genutzt, die Organisationen erlauben, welche die USA als „terroristisch“ einstufen, während die betroffenen Länder selbst diese als „Freiheitskämpfer“ sehen. Nichtsdestotrotz können die USA solchen Resolutionen die Zustimmung verweigern, da sie ja gewissen Organisationen Unterschlupf gewähren, welche zivile Ziele in Kuba und Nicaragua angegriffen haben.

Fakt ist, dass der UN-Sicherheitsrat eine Regelung für die Verbündeten der USA und eine für alle anderen besitzt.

Die USA setzen den UN-Sicherheitsrat unter Druck, Resolutionen, welche sich mit den Angelegenheiten ihrer Verbündeten auseinandersetzen, stets nach Kapitel VI der UN-Charta zu verabschieden, welches die "friedliche Beilegung von Streitigkeiten" beinhaltet. Dieses Kapitel hindert den Sicherheitsrat aber daran, den erlassenen Resolutionen Nachdruck zu verschaffen. Im Gegensatz dazu werden Resolutionen, die sich um die Angelegenheiten von Staaten beschäftigen, welche nicht zu den Verbündeten der USA zählen, unter Bezugnahme des Kapitels VII der UN-Charta, also unter „Bedrohungen des Friedens, Bruch des Friedens und Aggressionsakt“ verabschiedet, was dem Sicherheitsrat die Anwendung härterer Maßnahmen, wie Wirtschaftssanktionen und den Einsatz militärischer Gewalt, erlaubt.

Die Muslime können sich nur auf Allah (t) und auf die anderen Gläubigen verlassen. Als eine Umma müssen wir dafür arbeiten, dass unsere Verteidigung sichergestellt ist. Um diese Pflicht zu erfüllen, dürfen wir uns offensichtlich nicht auf die UN verlassen. So hat der Prophet Muhammad (s) gesagt:

Der Gläubige wird nicht zweimal aus demselben Loch gebissen.

Als Muslime wurden wir von der UN immer wieder betrogen. Die UN ist so konzipiert, um den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates durch ihr Vetorecht einen höheren Status zu gewährleisten. Und wenn die UN ihrem Interesse nicht dienlich ist, umgehen die Nationen sie, wie es die USA 2003 beim Einmarsch in den Irak gemacht haben. Wir müssen endlich realisieren, dass wir als Umma uns nur auf die Unterstützung von Allah (t) und anschließend auf die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Umma verlassen dürfen. Genauso wie es Allah (t) offenbart hat:

وَالَّذِينَ كَفَرُوا بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ إِلَّا تَفْعَلُوهُ تَكُن فِتْنَةٌ فِي الْأَرْضِ وَفَسَادٌ كَبِيرٌ

Und die Ungläubigen – (auch) sie sind einander Beschützer. Wenn ihr das nicht tut, wird Verwirrung im Lande und gewaltiges Unheil entstehen. (Al-Anfal 8:73)

Nur die Umma kann im Kollektiv Palästina befreien, nicht die Vereinten Nationen (UN). Das bedeutet, dass wir die Führer in der muslimischen Welt und die muslimischen Gesellschaften dazu bringen müssen, die Regierungssysteme abzuschaffen, die dem Westen dienlich sind. Anschließend müssen wir das Regierungssystem des Islam aufbauen, welches Allah (t) dienlich ist. Die Institution, die der Prophet Muhammad (s) und seine Sahaba errichteten, um dieses Ziel zu erreichen, war der Islamische Staat. Durch das Kalifat wurde die Einheit der Muslime gewahrt und die Ehre der Muslime geschützt. Wir Muslime müssen mit Intensität und Ernsthaftigkeit gemäß der Methode des Propheten (s) für die Errichtung des Kalifats arbeiten. Erinnert euch daran, wie Rasulullah (s) die Muslime Medinas mobilisierte, um die Ehre einer Frau zu verteidigen, die von einem Mann der Bani Qaynuqa verunglimpft wurde. Erinnert euch an den Fall vom Kalifen Mutasim Billah, der die mächtige islamische Armee gegen die starke Festung Amuria des Römischen Reiches entsandte, weil ein römischer Soldat das Kopftuch einer muslimischen Frau herunterriss! Erinnert euch an den entschlossenen und mutigen Einsatz von Salahuddin Al Ayubi, der die Kreuzritter besiegte und aus Jerusalem vertrieb. Möge Allah (t) all diese Muslime segnen.

Die Notwendigkeit einer islamisch-internationalen Ordnung

Jenseits der Lage der Umma erkennen wir mit großer Trauer, dass weltweit der Rest der Menschheit ebenfalls unter dem kapitalistischen System leidet. Allah (t) hat offenbart:

وَمَا أَرْسَلْنَاكَ إِلَّا رَحْمَةً لِّلْعَالَمِينَ

Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten. (Al-Anbiya 21:107)

Das Kalifat wird sich darum bemühen, eine neue internationale Organisation zu gründen, die auf Fairness und Gerechtigkeit aufbaut, die „Internationale Allianz der Exzellenz“ genannt werden wird (Anm. des Übersetzers: im Englischen “International Alliance of Excellence”, the IAE). Die IAE wird im Vergleich zur UN nicht von den Kolonialmächten und ihrem Vetorecht dominiert, welche Sanktionen und Gesetze auf schwächere Nationen ansetzen. Die neue Organisation wird eine Vereinigung sein, welche in den Bereichen Armut, Umwelt und Handel den Dialog und die Kooperation zwischen den Staaten fördert. So ähnlich wie die vor-islamische, arabische Allianz „Hilf Al-Fudul“, welche der Prophet (s) lobte. Außerdem offenbarte Allah (t):

وَمَا لَكُمْ لَا تُقَاتِلُونَ فِي سَبِيلِ اللَّـهِ وَالْمُسْتَضْعَفِينَ مِنَ الرِّجَالِ وَالنِّسَاءِ وَالْوِلْدَانِ الَّذِينَ يَقُولُونَ رَبَّنَا أَخْرِجْنَا مِنْ هَـٰذِهِ الْقَرْيَةِ الظَّالِمِ أَهْلُهَا وَاجْعَل لَّنَا مِن لَّدُنكَ وَلِيًّا وَاجْعَل لَّنَا مِن لَّدُنكَ نَصِيرًا

Und was ist mit euch, dass ihr nicht für Allahs Sache kämpft und für die der Schwachen - Männer, Frauen und Kinder -, die sagen: „Unser Herr, führe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner ungerecht sind, und gib uns von Dir einen Beschützer, und gib uns von Dir einen Helfer.“? (An-Nisa 4:75)

Allah (t) fordert von uns, dass wir den Schwachen und Unterdrückten beistehen. Wenn wir also die Fähigkeit dazu haben, müssen wir den Menschen und Nationen helfen, dessen Reichtümer und Ressourcen von anderen Ländern ausgebeutet werden. Die Muslime wurden in der Vergangenheit von anderen Nationen eingeladen, weil sie wussten, dass die Muslime ihr Wort halten werden und sie nicht ausbeuten. Heute sehen wir Nationen, die in andere Länder nur wegen des Öls, ihres wirtschaftlichen Profits oder aufgrund ihrer politischen Interessen einmarschieren. Das Kalifat ist anders, weil es auf dem Fundament der islamischen Aqida aufbaut. Die islamische Aqida (Überzeugungsfundament) fordert von den Muslimen, dass sie akzeptieren, von Allah (t) erschaffen worden zu sein und dass wir von Allah (t) für all unsere Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Sollten beispielsweise die Menschen aus Lateinamerika oder Afrika das Kalifat um Hilfe bitten, muss das Kalifat diesem Hilferuf antworten und ihnen gemäß seiner Fähigkeit behilflich sein, anstatt die Reichtümer zu plündern und die Menschen zu ermorden. Was die UN betrifft, so ist es die kapitalistische Aqida, die ihre Vision und ihr Handeln antreibt. Anders als bei der islamischen Aqida, hat bei der kapitalistischen Aqida der Glaube an die Existenz eines Schöpfers keine Konsequenz für das menschliche Leben. Was die kapitalistische Denkweise betrifft, so ist der Mensch in seiner Souveränität absolut. Dies macht den Menschen anfällig, seinen Gelüsten zu folgen. Infolgedessen wird der Mensch dazu verleitet, sich allein die Maximierung seines Profits zum Ziel zu nehmen. Deswegen entsenden kapitalistische Staaten ihre Soldaten in andere Länder, allein nur deshalb, um ihrer wirtschaftlichen, politischen und strategischen Interessen willen. Folglich kann nur die islamische Aqida die Menschheit schützen, da sie ihren Fokus auf den wahren Souverän der Menschen legt, nämlich Allah (t).

Möge Allah (t) unsere Umma beschützen und uns unter dem rechtgeleiteten Kalifat vereinen. Möge Allah (t) uns bei unserer Pflicht, die Umma zu beschützen, behilflich sein und möge Er (t) uns dabei helfen, stark zu sein, um wahre Gerechtigkeit und wahren Schutz für die Menschheit herbeizubringen.

وَعَدَ اللَّـهُ الَّذِينَ آمَنُوا مِنكُمْ وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَيَسْتَخْلِفَنَّهُمْ فِي الْأَرْضِ كَمَا اسْتَخْلَفَ الَّذِينَ مِن قَبْلِهِمْ

Verheißen hat Allah denen, die von euch glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewiss zu Nachfolgern auf der Erde machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte. (An-Nur 24:55)