PRESSE & VERLAUTBARUNGEN - AFRIKA

- 17.11.2016

Sudan Pressemitteilung

Seitdem das Regime im Sudan nach dem Putsch im Juni 1989 an der Macht ist, spielt es mit den Emotionen der Muslime in diesem Lande im Namen des Islam. Dessen Gesetze allerdings kamen nie zur Anwendung. Umgesetzt wurde genau das Gegenteil, ob in der Politik, in der Herrschaftsausübung, in der Wirtschaft oder anderswo war. Dem Regime jedoch gelang es, die Menschen im Sudan mit islamischen Parolen hinters Licht zu führen. Doch täuschen tun sie nur sich selbst. Nach siebenundzwanzig Jahren des Truges und Irreführens hat das Regime nun seine Maske fallen lassen und sein wahres Gesicht offenbart. Es ist durch und durch säkular, ohne dem Islam einen Anteil übrigzulassen, nicht einmal für dessen Parolen. Das Regime hat sich Amerikas Agenda angeeignet, deren Ziel es ist, den Islam von der Herrschaft zu verbannen und die Überbleibsel des Sudan weiter zu zerstückeln. Dies will man über dasNationale Dokument erreichen, das im Rahmen der Nationalen Dialogkonferenz entstanden ist. Das Regime und dessen Unterstützer versuchen, dieses Dokument in falschem Gewand und mit falscher Kennzeichnung den Menschen zu vermitteln, sehr darauf bedacht, die Umma irrezuführen.

Wir von Hizb-ut-Tahrir/wilāya Sudan - aus der Warte der Verantwortung gegenüber der Umma heraus, ihr die Augen zu öffnen und sie davor zu warnen, dass sie ein weiteres Mal zum Betrugsopfer wird - legen folgende Fakten offen:

Der Islam findet in dem Dokument nicht die geringste Erwähnung, obgleich das Volk des Sudan aus Muslimen besteht, deren Überzeugungsfundament die islamische ʿaqīda ist, und es sich ausschließlich nach islamischer Herrschaft sehnt.

 

In dem Dokument wird die Identität der Sudanesen nicht über den Islam definiert. So heißt es dort, dass „wir in unserer Identität Sudanesen sind und dass die Breite unserer Identität sich aus der Zusammensetzung gemeinsamer Kulturen und Ethnien schöpft […].“ Dies alles geschieht aus Gefälligkeit gegenüber dem ungläubigen Kolonialisten und gegenüber dessen „Lakaien“ im Inneren. Dabei sind die Menschen im Sudan allesamt Muslime. Der Islam ist ihre Identität:

(هُوَ سَمَّاكُمُ الْمُسْلِمِينَ مِنْ قَبْلُ وَفِي هَذَا لِيَكُونَ الرَّسُولُ شَهِيدًا عَلَيْكُمْ وَتَكُونُوا شُهَدَاءَ عَلَى النَّاسِ)

Er hat euch schon zuvor Muslime genannt und (nunmehr) in diesem (Koran), damit der Gesandte Zeuge über euch sei, und ihr über die (anderen) Menschen Zeugen seiet. [22: 78]

Weiter heißt es im Dokument: „[…] die Anerkennung, dass die Verfassung Ausdruck des Volkswillens ist, dem sie entsprungen ist und dass die Staatsbürgerschaft Basis und Maßstab aller Rechte und Pflichten ist […].“ Wie kann es sein, dass die Verfassung dem Willen des Volkes entspringt und es repräsentiert, wenn die Staatsbürgerschaft die Basis der Rechte und Pflichten ist?! In diesem Lande beruht der Wille des Volkes allein auf dem, was Allah und Sein Gesandter (s) wollen. Daher beruhen die Rechte und Pflichten natürlicherweise auf den Gesetzen des Herrn der Welten, Dem Gütigen und Wissenden. Sie basieren nicht auf den Launen von Männern und den Wünschen des Kolonialisten. Der Erhabene sagt:

(وَمَا كَانَ لِمُؤْمِنٍ وَلا مُؤْمِنَةٍ إِذَا قَضَى اللَّهُ وَرَسُولُهُ أَمْرًا أَنْ يَكُونَ لَهُمُ الْخِيَرَةُ مِنْ أَمْرِهِمْ وَمَنْ يَعْصِ اللَّهَ وَرَسُولَهُ فَقَدْ ضَلَّ ضَلالًا مُبِينًا)

Weder hat ein gläubiger Mann noch eine gläubige Frau, wenn Allah und Sein Gesandter eine Sache entschieden haben, in ihrer Angelegenheit noch eine Wahl. Und wer Allah und Seinem Gesandten zuwiderhandelt, der ist wahrlich deutlich in die Irre gegangen. [33:36]

Dass das Dokument die Umsetzung des US-Plans vorsieht, nämlich den Restsudan zu zerstückeln, belegen die sich mit der Herrschaft befassenden Inhalte des Dokuments sowie die Ergebnisse des stattgefundenen Dialogs: „Als Regierungssystem fiel die Entscheidung auf das föderalistische System auf allen drei Ebenen, d. h. auf der föderalen Ebene, der Ebene der Loyalität sowie auf der lokalen Ebene. […] Als Grundlage gilt bezüglich des Regierungssystems das präsidiale System.“ Es ist hinlänglich bekannt, dass es im Föderalismus darum geht, dass sich mehrere Teilstaaten zusammenschließen, um künftig eine Einheit zu bilden. Ebenfalls könnte jeder Teilstaat sein autonomes System beibehalten, während sich die Einheit auf das Sicherheits- und Außenressort beschränkt. Wird das föderale System allerdings in einem Staat wie dem heutigen Sudan eingeführt, welcher an sich ein einheitlicher Staat ist, wird damit bezweckt, ihn zukünftig in Kleinstaaten zu zerstückeln. Zulässig ist dies aus islamrechtlicher Sicht nicht. Das Regierungssystem im Islam beruht auf dem Einheits- und nicht auf dem föderativen System, lediglich die Verwaltung wird dezentral geregelt. Welch eklatanter Unterschied also zwischen dem System der Einheit und dem des Föderalismus! So sprach der Gesandte Allahs (s):

«مَنْ أَتَاكُمْ وَأَمْرُكُمْ جَمِيعٌ عَلَى رَجُلٍ وَاحِدٍ يُرِيدُ أَنْ يَشُقَّ عَصَاكُمْ أَوْ يُفَرِّقَ جَمَاعَتَكُمْ فَاقْتُلُوهُ»

Wer zu euch kommt, während ihr alle der Befehlsgewalt eines Mannes untersteht, und er eure Einheit durchtrennen oder eure Gemeinschaft spalten will, so tötet ihn.

Das präsidiale System ist ein System menschlichen Ursprungs und steht im Widerspruch zum Islam, denn das Herrschaftssystem im Islam ist das Kalifat. Es handelt sich also weder um ein republikanisches, noch um ein monarchistisches, noch um ein anderes, aus menschlicher Feder stammendes, System. Der Gesandte (s) sprach:

»كَانَتْ بَنُو إِسْرَائِيلَ تَسُوسُهُمْ الْأَنْبِيَاءُ كُلَّمَا هَلَكَ نَبِيٌّ خَلَفَهُ نَبِيٌّ وَإِنَّهُ لا نَبِيَّ بَعْدِي وَسَيَكُونُ خُلَفَاءُ فَيَكْثُرُونَ« قَالُوا: فَمَا تَأْمُرُنَا؟ قَالَ: »فُوا بِبَيْعَةِ الأَوَّلِ فَالأَوَّلِ أَعْطُوهُمْ حَقَّهُمْ فَإِنَّ اللَّهَ سَائِلُهُمْ عَمَّا اسْتَرْعَاهُمْ«

Das Volk Israel wurde von Propheten betreut. Immer wenn ein Prophet starb, folgte ihm ein anderer nach. Nach mir wird es aber keinen Propheten mehr geben. Es werden jedoch Kalifen kommen, und sie werden zahlreich sein.“ Sie fragten: „Was befiehlst du uns?“ Er antwortete: „Erfüllt die baiʿa des jeweils Ersteren und gebt ihnen ihr Recht, denn Allah wird sie darüber zur Rechenschaft ziehen, was Er in ihre Obhut gelegt hat.“

Ibrahim Uthman (Abu Khalil)

Offizieller Sprecher von Hizb-ut-Tahrir der wilāya Sudan

 

11. Muḥarram 1438 n. H.

 

12.10.2016