Empfehlungen Ist der Hijab eine Pflicht?

Schon vor Jahren gab es Individuen, die die Pflicht des Hijab in Zweifel zogen und diese Meinung verbreiteten.

Schon vor Jahren gab es Individuen, die die Pflicht des Hijab in Zweifel zogen und diese Meinung verbreiteten. Sie ist also nicht neu. Neu ist nur, dass Personen, die heute diese nichtislamische Meinung vertreten, soziale Medien wie Instagram nutzen, um sie breitflächig zu streuen, in der Absicht, die muslimische Frau von der Ausübung ihrer Pflicht abzuhalten oder zumindest zu verunsichern. So hat kürzlich ein Instagram-Nutzer genau dies getan. An ihm prallt jedes islamische Argument ab, wodurch einem islamischen Disput mit ihm jede Basis genommen ist. Es steckt natürlich auch narzisstischer Selbstdarstellungsdrang dieses Instagram-Nutzers dahinter, der ein bestimmtes Bild von sich vermitteln will, das hauptsächlich darin besteht, der unbequeme Zeitgenosse zu sein, der kritisch sei und sich traue, das Althergebrachte anzuzweifeln und Tabus zu brechen. Das bringt auf Instagram Aufmerksamkeit, denn dadurch hebt man sich von den vielen anderen Instagram-Accounts ab, die sich mit islamischen Themen beschäftigen.

Wer die Frage in den Raum wirft, ob der Hijab eine Pflicht sei, und dann behauptet, es sei nur eine Sunna, d. h. eine freiwillige Handlung, will die Muslime entweder nur aufmischen und provozieren oder er hat keine Ahnung von der islamischen Rechtslehre und der Einstufung der islamischen Beweise und glaubt tatsächlich daran. Man muss sich angesichts der klaren islamischen Beweislage bezüglich des Hijab fragen, ob die Behauptung überhaupt ernst gemeint sein kann. Genauso hätte der Instagram-Nutzer behaupten können, das Gebet sei lediglich eine Sunna. Sowohl das Pflichtgebet als auch die Hijabpflicht gehören derselben Handlungskategorie an, worin sich die islamischen Rechtsgelehrten sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart aufgrund der islamischen Beweise einig sind. Bei der Frage nach dem Gebet oder dem Hijab finden sich bei den islamischen Rechtsgelehrten keine unterschiedlichen oder gegensätzlichen Rechtsmeinungen. Auch heute käme kein islamischer Rechtsgelehrter auf die Idee, diese Frage aufzuwerfen, weil die Sachlage eindeutig ist. Es handelt sich auch nicht um eine mutige Frage, nur weil sie sich gegen die einhellige islamische Meinung der Rechtsgelehrten und der Muslime richtet, sondern um eine törichte – so, als hätte ein Laie den Astrophysiker Stephen Hawking mit der Frage konfrontiert, ob sich die Erde wirklich um die Sonne drehe, und Hawkings Expertenmeinung angezweifelt. Die Ablehnung der Hijabpflicht ist die Anmaßung eines Laien, der die Gesamtheit der islamischen Gelehrten für unfähig erklärt.

Jeder islamische Rechtsgelehrte kann die Behauptung, der Hijab sei nur eine Sunna, mithilfe der islamischen Beweise mit Leichtigkeit abschmettern. Eine solche Meinung hätte nicht die geringste Chance, Uneinigkeit unter den Gelehrten zu schaffen, weil sie die islamischen Beweise zur Hijabpflicht kennen. Aber an diese richtet sich der Instagram-Nutzer auch gar nicht. Seine Intention ist nicht der Disput mit den islamischen Rechtsgelehrten. Seine Adressaten sind jene Muslime, die sich mit der Materie nicht genug auskennen und sich aufgrund dessen verunsichern lassen. Er verbreitet seine nichtislamische Meinung in den sozialen Medien und verursacht Verunsicherung und Uneinigkeit unter den Muslimen. Er nimmt willentlich in Kauf, dass muslimische Frauen ihren Hijab aufgrund seiner islamisch verantwortungslosen Posts abnehmen. Deshalb kann man nicht über diese Behauptung hinwegsehen und sie als Recht eines Menschen auf seine Meinung abhaken, da sie andere Muslime dazu verleitet, eine Pflicht zu vernachlässigen, ohne dass ihnen bewusst ist, dass sie dabei eine Sünde begehen. Aus diesem Grund haben viele Muslime in den sozialen Medien auf diese falsche Meinung reagiert und sich zurecht darüber empört.

Es herrscht ein Konsens der Rechtsgelehrten über den Hijab. Dieser Konsens ist nicht als Absprache alter bärtiger Männer zu verstehen, die gemeinsam beschlossen haben, dass die Frau einen Hijab tragen muss, sondern es ist die übereinstimmende Auslegung der islamischen Beweise zur islamischen Kleidung der Frau sowohl der männlichen als auch der weiblichen Rechtsgelehrten von den Anfängen der islamischen Rechtsauslegung bis heute. Der Hijab ist nicht deshalb eine Pflicht, weil die Rechtsgelehrten es so sagen, sondern weil die Offenbarung es so festlegt. Die Rechtsgelehrten haben lediglich festgehalten, was die Offenbarung vorgibt. Kein seriöser islamischer Rechtsgelehrter würde es wagen, etwas zur Pflicht zu erklären, was nur eine Sunna ist. Denn dafür müsste er sich vor Allah (t.) verantworten. Wenn man als Muslim ein Laie ist und sich mit der islamischen Rechtslehre nicht auskennt, dann hat man nur zwei Möglichkeiten: Entweder man übernimmt die Meinung eines islamischen Rechtsgelehrten oder man eignet sich mit Ernsthaftigkeit die islamische Kompetenz an, die Offenbarungstexte auf die richtige Art zu deuten. Hierzu reicht islamisches Halbwissen nicht aus. Man sollte sich vor allem davor hüten, auf Laien mit Halbwissen zu vertrauen.

Es gibt im Islam kaum einen Rechtsspruch, der so eindeutig ist, wie der zur islamischen Kleidung der Frau. Sowohl der Hijab als auch der Jilbab, d. h. das Kopftuch und das lange Gewand, sind im Koran erwähnt. So heißt es:

﴿وَقُلْ لِلْمُؤْمِنَاتِ يَغْضُضْنَ مِنْ أَبْصَارِهِنَّ وَيَحْفَظْنَ فُرُوجَهُنَّ وَلَا يُبْدِينَ زِينَتَهُنَّ إِلَّا مَا ظَهَرَ مِنْهَا وَلْيَضْرِبْنَ بِخُمُرِهِنَّ عَلَى جُيُوبِهِنَّ

Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und dass sie ihre Kopftücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen und ihren Schmuck vor niemand anderem enthüllen sollen […].[24:31]

Bezüglich des Gewands sagt Allah (t.):

﴿يَا أَيُّهَا النَّبِيُّ قُلْ لِأَزْوَاجِكَ وَبَنَاتِكَ وَنِسَاءِ الْمُؤْمِنِينَ يُدْنِينَ عَلَيْهِنَّ مِنْ جَلَابِيبِهِنَّ ذَلِكَ أَدْنَى أَنْ يُعْرَفْنَ فَلَا يُؤْذَيْنَ وَكَانَ اللَّهُ غَفُورًا رَحِيمًا

O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen,sie sollen sich in ihren Übergewändern bis nach unten verhüllen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig[33:59]

In einem Hadith wird von Um ʿAṭīya Folgendes berichtet:

«أمرنا رسول الله r أن نخرجهن في الفطر والأضحى، العواتق والحيّض وذوات الخدور، فأما الحيّض فيعتزلن الصلاة ويشهدن الخير، ودعوة المسلمين. قلت يا رسول الله إحدانا لا يكون لها جلباب، قال: لتلبسها أختها من جلبابها»

Der Gesandte Allahs (s) befahl uns, sie alle zum fiṭr- und aḍhā-Fest herauszubringen: die jungen Frauen, die gerade geschlechtsreif geworden sind, jene, die sich in der Menstruation befinden, und jene, die sich stets im abgeschirmten Hausbereich (ḫidr) aufhalten und diesen kaum verlassen. Die Menstruierenden sollen das Gebet meiden, aber dem Guten und dem Bittruf der Muslime beiwohnen. Ich fragte: „O Gesandter Allahs, vielleicht hat die eine oder andere unter uns kein Übergewand (ğilbāb).“ Er antwortete: „Dann soll ihre Schwester sie mit einem ihrer Übergewänder kleiden.“[Muslim]

Aus dieser Überlieferung geht hervor, dass eine muslimische Frau nur mit einem Jilbab in die Öffentlichkeit gehen darf. Aus den islamischen Quellen geht außerdem hervor, auf welche Art und Weise diese Kleidungsstücke zu tragen sind. So wird überliefert,

«أنَّ أسماءَ بنتَ أبِي بكرٍ دخلتْ على النبيِّ في ثيابٍ رِقاقٍ فأعرضَ عنها وقال : يا أسماءُ إنَّ المرأةَ إذا بلَغتْ المحيضَ لم يَصلُحْ أن يُرَى منها إلا هذا وهذا وأشار إلى وجهِهِ وكفيْهِ»

dass Asmāʾ, die Tochter Abū Bakrs, zum Gesandten Allahs in durchsichtiger Kleidung eintrat. Da wandte sich der Gesandte Allahs (s.) ab und sagte: „O Asmāʾ, wenn die Frau das Alter der Menstruation erreicht, darf nichts von ihr zu sehen sein außer diesem und diesem“, und er zeigte dabei auf sein Gesicht und seine Hände.

Wenn nur Gesicht und Hände zu sehen sein dürfen, bedeutet das im Umkehrschluss, dass Haare und der restliche Körper bedeckt sein müssen. Nach den Regeln der islamischen Rechtsauslegung weist nichts darauf hin, dass der Hijab nur eine wünschenswerte Sunna sei. Die Behauptung, der Hijab sei eine Sunna, ist islamrechtlich nicht belegbar. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Offenbarungstexte drücken eine Pflicht aus. Jede andere Deutung bewegt sich außerhalb des islamischen Rahmens und stellt keine islamische Meinung dar.