Islamrechtliche F&A Die Teilnahme eines muslimischen Kindes an der Beerdigung seines ungläubigen Vaters und umgekehrt

Allah, der Erhabene, hat anbefohlen, die ungläubigen Eltern mit Güte zu behandeln, es sei denn, sie fordern zu einer Sünde auf. Der Erhabene sagt: Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber darum bemühen, daß Du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht.

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen

Antwort auf eine Frage

Die Teilnahme eines muslimischen Kindes an der Beerdigung
seines ungläubigen Vaters und umgekehrt

Allah, der Erhabene, hat anbefohlen, die ungläubigen Eltern mit Güte zu behandeln, es sei denn, sie fordern zu einer Sünde auf. Der Erhabene sagt:

﴿وَوَصَّيْنَا الْإِنْسَانَ بِوَالِدَيْهِ حُسْنًا ۖ وَإِنْ جَاهَدَاكَ لِتُشْرِكَ بِي مَا لَيْسَ لَكَ بِهِ عِلْمٌ فَلَا تُطِعْهُمَا

Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber darum bemühen, daß Du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht.[29:8]

Zur Güte ihnen gegenüber zählt, dass sich das Kind um die Beerdigung der Eltern kümmert und um die dafür erforderlichen Belange.

Daher ist es erlaubt, dass das muslimische Kind an der Beerdigung seines ungläubigen Vaters teilnimmt, aber ohne bei Sündhaftem mitzuwirken, indem es sich zum Beispiel an den Begräbnisritualen der Ungläubigen beteiligt. Vielmehr nimmt es an der Beerdigung teil, ohne bei den Ritualen der Ungläubigen mitzumachen und ohne für seinen verstorbenen ungläubigen Vater um Vergebung zu bitten.

﴿مَا كَانَ لِلنَّبِيِّ وَالَّذِينَ آمَنُوا أَن يَسْتَغْفِرُوا لِلْمُشْرِكِينَ وَلَوْ كَانُوا أُولِي قُرْبَىٰ

Dem Propheten und denjenigen, die glauben, steht es nicht zu, für die Götzendiener um Vergebung zu bitten, auch wenn es Verwandte wären.[9:113]

Wenn es also für das muslimische Kind eine Möglichkeit gibt, an der Beerdigung seines ungläubigen Vaters teilzunehmen und sich dabei von den ungläubigen Ritualen fernzuhalten, dann soll es das tun, ansonsten nicht.

Ebenso ist es für den ungläubigen Vater erlaubt, an der Beerdigung seines muslimischen Kindes teilzunehmen. Die Muslime sollen ihm das erlauben, jedoch ohne dass er bei der Beerdigung seines Kindes ungläubige Rituale vor den Muslimen vollzieht.

Auch ist es erlaubt, dem Sohn beim Tod seines Vaters und dem Vater beim Tod seines Sohnes zu kondolieren, selbst wenn einer von beiden Muslim und der andere ein Ungläubiger ist oder umgekehrt. Jedoch darf man bei der Kondolenz für einen verstorbenen Ungläubigen keine Begriffe verwenden, die Erbarmen oder das Bitten um Vergebung für den Toten beinhalten. Vielmehr kann man sein Beileid und Ähnliches ausdrücken.

Unter den Gelehrten gibt es auch welche, die der Kondolenzerlaubnis für Vater und Kind auch die Erlaubnis angeschlossen haben, anderen Verwandten zu kondolieren – dem Muslim für einen verstorbenen Ungläubigen und dem Ungläubigen für einen verstorbenen Muslim. (Dies erklärte aš-Šāfiʿī und Abū Ḥanīfa in einem Bericht von ihm.)

Euer Bruder

9. Ğumādā l-Āḫira 1426 n. H.

15.07.2005