Geschichte Wie Ṣalāḥ ad-Dīn Palästina befreite – Teil 1

Mit Entsetzen müssen wir mitansehen, wie tagtäglich schreckliche Massaker in Palästina verübt werden. Dabei ist diese Entwicklung nur die jüngste Folge der jahrzehntelangen Besatzung durch die Zionisten und ihre Unterstützer.

Erneut kann die ganze Welt in Echtzeit beobachten, wie die Bevölkerung Palästinas ermordet und vertrieben wird. Unzählige Forderungen nach UN-Resolutionen und jahrelanges Hoffen darauf, dass der Westen vielleicht doch noch eingreifen würde, waren vergeblich. Inzwischen haben viele Menschen in Palästina die leeren Versprechen durchschaut und sind zu der einzig schlüssigen Einsicht gelangt: Die Besatzung ihrer Heimat wird erst dann beendet werden, wenn Palästina durch die muslimischen Armeen befreit wird.

In unserer Geschichte finden wir zahlreiche Beispiele für Befreiungskämpfe. Viele von ihnen sind erfolgreich verlaufen und haben dazu geführt, dass Fremdherrschaften beendet wurden. Und obwohl in den islamischen Texten etliche erwiesene Berichte über gelungene Befreiungskämpfe existieren, bleibt eines der herausragendsten Beispiele hierfür die Befreiung Palästinas durch Ṣalāḥ ad-Dīn. Nachdem das gesegnete Land 88 Jahre lang unter der Besatzung durch die europäischen Kreuzfahrer gelitten hatte, wurde es im Jahr 1187 befreit. Sehen wir uns nun etwas genauer an, wie es Ṣalāḥ ad-Dīn gelungen ist, diese grandiose Heldentat zu vollbringen.

Die Geopolitik des 11. Jahrhunderts

Die politische Dynamik, die im 11. Jahrhundert vorherrschte, unterscheidet sich kaum von der heutigen Situation im Nahen Osten. Auch damals wurden die muslimischen Gebiete von rivalisierenden Klans beherrscht und durch eine Politik des Kräftegleichgewichts gelähmt.

Zwar stellte das Abbasiden-Kalifat die zentrale Führungsmacht der Umma dar, doch hatte es im 11. Jahrhundert seinen einstigen Ruhm weit hinter sich gelassen und war nur noch eine Hülle seines früheren Selbst. Das Kernland der Islamischen Welt, das zwischen Ägypten und Persien lag, war gespalten. Die darin vorherrschende politische Zersplitterung begünstigte die Entstehung von Erbgouverneuren, was wiederum zum Aufkommen verschiedener Machtzentren führte, die mit dem Kalifat rivalisierten.

Die Hauptkonkurrenten des Kalifats waren die Fatimiden (al-Fāṭimiyūn), die ihren Namen auf Fāṭima (r) zurückführten. Die Anhänger dieser ismailitischen Sekte (al-Ismāʿīlīya) betrachteten sich als Nachkommen von Imām ʿAlī (r) und Fāṭima (r) und beanspruchten für sich das Recht auf die Herrschaft über alle Muslime. Die Fatimiden waren fest entschlossen, die gesamte Islamische Welt zu erobern, um das Reich der Ismailiten zu errichten. Ab 909 stellten sie sogar die Autorität der Abbasiden unmittelbar in Frage. Indem die Fatimiden im Jahr 969 Ägypten eroberten, war es ihnen gelungen, zur mächtigsten Kraft in der Islamischen Welt aufzusteigen. Ende des 11. Jahrhunderts erstreckte sich ihr Herrschaftsbereich über Nordafrika, Ägypten, Mekka und Medina sowie über Teile Syriens und Palästinas.

Ein anderer wichtiger politischer Akteur jener Tage waren die Seldschuken (as-Salāǧiqa). Während der Ära dezentraler Machtstrukturen waren die Abbasiden bestrebt, ein Gleichgewicht zu den Fatimiden herzustellen. Zu diesem Zweck setzten sie Söldner (bzw. Militärsklaven) ein, die sie aus den türkischen Ländern Zentralasiens rekrutierten. Infolgedessen wanderten viele türkische Stämme in die islamischen Länder ein, wobei sie den Islam annahmen und im politischen Chaos des 10. Jahrhunderts ihren eigenen Staat gründeten. Hierbei handelte es sich um einen stabilen Staat, der sich von Syrien bis nach Zentralasien erstreckte und seine Aufgabe darin sah, das Kalifat zu beschützen. So waren es schließlich die Seldschuken, die eine weitere Expansion der Fatimiden verhinderten. Ende des 11. Jahrhunderts war es den Seldschuken zudem gelungen, sich in ganz Anatolien auszubreiten und das asiatische Ufer des Bosporus zu erreichen. Somit standen sie in Sichtweite Konstantinopels, der Hauptstadt des Oströmischen Reiches, und wurden daher als ernstzunehmende Bedrohung für das christliche Abendland wahrgenommen.

Unter anderem auch als Reaktion darauf begannen schon bald die Kreuzzüge und brachten großes Unheil über die Muslime. Christliche Heere fielen in die islamischen Gebiete ein, um die Levante zu besetzen und dort Kreuzfahrerstaaten zu errichten. Doch bevor der Papst zu den Kreuzzügen aufrief, waren die Muslime bereits gespalten und wurden von rivalisierenden Regenten und Königen beherrscht. Eine derartige Situation bot jedem, der Pläne zur Ausbeutung dieser Region hatte, einen fruchtbaren Boden. In vielerlei Hinsicht ähnelte diese Zeit der heutigen Situation in der Islamischen Welt, die in über fünfzig Staaten zerfallen ist und von rivalisierenden Machthabern beherrscht wird, die als Vasallen ihren westlichen Herren dienen und nicht der islamischen Umma.

Der europäische Kolonialismus des 11. Jahrhunderts

Im Jahr 1095 musste der byzantinische Kaiser Alexios einsehen, dass seine Stärke den Muslimen in Anatolien nicht länger gewachsen war. Um den Untergang des Byzantinischen Reiches zu verhindern, unternahm er einen verzweifelten Schritt und bat seinen Rivalen in Rom um militärischen Beistand. Darin erkannte der hinterlistige Papst Urban II. eine willkommene Gelegenheit, um seine eigenen perfiden Pläne zu verwirklichen. Unter dem Vorwand, seinen christlichen Brüdern in Konstantinopel im Namen Christi helfen zu wollen, stellte Urban II. ein gesamteuropäisches christliches Heer auf, das in die Zehntausende ging. In Wirklichkeit hatte der Papst jedoch Jerusalem im Visier. So rief er alle Christen dazu auf, seine Expedition zur Eroberung der gesegneten Stadt zu unterstützen, um sodann ein Kreuzfahrerreich in Palästina zu errichten. Dieses neue Königreich sollte jedoch unter direkter Autorität des Papstes stehen.

Angeführt von europäischen Adligen und Rittern zogen ab 1096 ganze Heere vom Gebiet des heutigen Frankreichs, Deutschlands und Italiens aus. Während diese Kreuzfahrer durch Osteuropa marschierten, massakrierten sie die dort ansässigen europäischen Juden, da von Seiten der Kirche glühender religiöser Eifer geschürt worden war. Als sie schließlich die Mauern von Konstantinopel erreichten, verweigerte ihnen Kaiser Alexios den Zutritt zur Stadt. Er hatte allen Grund zu befürchten, dass die berüchtigten Kreuzfahrer auch Konstantinopel plündern würden, wie sie es schon mit Dutzenden von anderen Städten getan hatten.

Also zogen diese räuberischen und brandschatzenden Heere ohne Beute weiter, bis sie schließlich die antike Stadt Antiochia (das heutige Antakya) erreichten. Endlich waren die Kreuzfahrer in einer Region angekommen, in der die lokale Politik wieder einmal zu ihren Gunsten ausfiel, denn wie viele damalige Städte in der Levante glich auch Antiochia einer einsamen Insel. Das Seldschukenreich war kein einheitliches politisches Gebilde mehr. Stattdessen wirkten seine Provinzen eher wie Stadtstaaten, mit kleinadeligen türkischen Emiren an der Spitze, die in ständigem Streit mit ihren Nachbarprovinzen standen. Selbst unter den bedeutenden islamischen Städten wie Damaskus, Aleppo und Mossul herrschte Uneinigkeit, sodass ihre Emire ständig damit beschäftigt waren, Krieg zu führen. So kam es dazu, dass sie Antiochia im Stich ließen, als diese muslimische Stadt von den Kreuzfahrern umzingelt und belagert wurde. Antiochias Herrscher erhielt nicht einmal eine Antwort, als er die anderen Emire um Unterstützung gegen die europäischen Invasoren bat.

Nachdem die Stadt schließlich fiel, ermordeten die Kreuzfahrer ihre Bevölkerung mit dem Schwert. Das bestialische Massaker von Antiochia blieb jedoch kein Einzelfall. Auch andere muslimische Städte, die auf dem Weg nach Jerusalem lagen, wurden geplündert und deren Bewohner allesamt massakriert. Es war eine beispiellos blutige Spur, die der Kreuzzug hinterließ und die Menschen in den umliegenden Gebieten in Angst und Schrecken versetzte. Infolgedessen wollten viele Emireeinen Konflikt mit den Kreuzfahrern um jeden Preis vermeiden. Da man inzwischen wusste, dass Jerusalem das eigentliche Ziel der Kreuzzüge war, beschlossen viele muslimische Fürsten, sich mit den Kreuzfahrern zu arrangieren und sie sogar mit Proviant und Waffen zu versorgen. Anstatt die Kreuzfahrer zu bekämpfen und ihr bösartiges Vorhaben zu vereiteln, bot man diesen grausamen Invasoren sicheres Geleit, sodass sie im Sommer 1099 die Mauern von Jerusalem erreichten. Nach einer nur einwöchigen Belagerung gelang es den Kreuzfahrern am 15. Juli 1099, die gesegnete Stadt einzunehmen. Zum ersten Mal seit ʿUmar (r) 462 Jahre zuvor in die Stadt eingezogen war, hatten die Muslime Jerusalem verloren.

Es folgte ein Massaker, in dem die Kreuzfahrer die gesamte Zivilbevölkerung von Jerusalem ermordeten und alle Moscheen und Synagogen in der Stadt zerstörten. Über 70.000 Menschen wurden skrupellos abgeschlachtet. Das Massaker in der al-Aqṣā-Moschee ließ die Kolonialisten bis zu den Knien im Blut der Muslime versinken. Selbst die ansässigen Christen wurden misshandelt, da die Kreuzfahrer erbarmungslos versuchten, ihnen die katholische Version des Christentums aufzuzwingen und die traditionellen griechischen, armenischen, georgischen und anderen Kirchen aus der Stadt zu verdrängen.

All dies war nur deshalb möglich, weil Uneinigkeit unter den muslimischen Führern herrschte und die „Baschars“, „Sisis“ und „Muhammad bin Salmans“ jener Zeit die Kreuzfahrer unterstützten.

Siehe auch Teil 2: Wie Ṣalāḥ ad-Dīn Palästina befreite – Teil 2

Siehe auch Teil 3: Wie Ṣalāḥ ad-Dīn Palästina befreite – Teil 3