Konzeptionen Der Islam und die ökologische Herausforderung (Teil 3) – Umweltschäden

In dieser 6-teiligen Serie befasst sich Dr. Abdul Wahid mit den ökologischen Herausforderungen und ihren Ursachen. Gleichzeitig beleuchtet er die zahlreichen Gipfeltreffen, die versucht haben, das Problem anzugehen. Darüber hinaus werden die ökologischen Herausforderungen in der muslimischen Welt untersucht und die einzigartige Perspektive des Islam auf die Umwelt aufgezeigt.

In diesem Teil möchten wir kurz auf einige Arten von Umweltbelastungen eingehen, von denen die Menschen bereits heute unmittelbar betroffen sind. Dabei zeigen wir auf, wie diese Schäden an der Umwelt durch die Vorherrschaft des Kapitalismus zusätzlich verschlimmert worden sind. Die angeführten Beispiele sind nicht als umfassende Sammlung von Beweisen gedacht, sondern eher als eine Illustration.

Umweltschäden können folgendermaßen aussehen:

– Anhaltende Schäden – davon sind Menschen seit Jahrzehnten betroffen. Zu diesen Umweltveränderungen gehören auch jene, die durch Kriege und korrupte Regierungen verursacht oder zugelassen wurden.

– Neu entstandende Schäden – davon werden Menschen erst seit wenigen Jahren heimgesucht. Zu diesen Umweltveränderungen gehören Temperaturextreme, Überschwemmungen oder Dürren, und werden allesamt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Außerdem werden dazu potenzielle Bedrohungen gezählt, die zwar noch keine unmittelbaren Auswirkungen haben, aber künftig erwartet werden, wenn man nicht rechtzeitig Maßnahmen ergreift.

2.1 Anhaltende Schäden in der ganzen Welt

Viele Menschen auf der Erde sind bereits seit Jahrzehnten von diversen Formen der Umweltzerstörung betroffen. Obwohl diese Belastungen für Millionen von Menschen sehr real sind und eine akute Bedrohung darstellen, erfahren sie medial viel weniger Aufmerksamkeit als jene Bedrohungen, die vom Klimawandel ausgehen.

Im Alltag werden diese Umweltschäden in Form von verunreinigtem Wasser (durch Haushalts- oder Industrieabfälle), verschmutzter Luft, kontaminierten Böden und beeinträchtigen Pflanzen und Tieren sichtbar.

Diese sind vor allem auf Konflikte und korrupte Regierungen zurückzuführen.

Wir sind der Meinung, dass der globale Kapitalismus diese Probleme zusätzlich verschlimmert, wenn nicht sogar hervorgerufen hat, weil er Kriege um Ressourcen fördert, korrupte Regime unterstützt und die ungleichmäßige Verteilung des Wohlstands fördert.

Im Gegensatz dazu beseitigt der Islam die Ursachen für all diese Umweltprobleme auf einen Schlag. Die islamische Lösung sorgt für ein gutes Regierungssystem, in welchem die Herrscher die Angelegenheiten der Menschen in vollem Umfang wahrnehmen müssen. Sie bietet den Bürgern Sicherheit vor Ressourcenkriegen unter dem Schutz des Kalifats und implementiert das islamische Wirtschaftssystem, das die Umverteilung des Wohlstands gewährleistet.

Betrachten wir nun einige dieser Probleme in aller Kürze:

2.1.1 Die Rolle von Konflikten

Zu den konfliktbedingten Umweltschäden gehört die Verseuchung des Bodens und Wassers, was zu Ernteausfällen und Wasserknappheit führt. Ebenso gehört dazu die Beschädigung von Öl-, Gas- und Industrieanlagen, was oftmals weitreichende Umweltkatastrophen zur Folge hat. Zudem kommen in Konflikten auch Landminen zum Einsatz, wodurch ganze Landstriche unbewohnbar werden.

Die vom Kapitalismus dominierte Welt ist eine Welt des Krieges. Daher war das letzte Jahrhundert von zahlreichen Kriegen geprägt, die verheerende Umweltschäden angerichtet haben. So wurde seit dem Ersten Weltkrieg Giftgas eingesetzt, während seit dem Zweiten Weltkrieg großflächig Bomben abgeworfen und Landminen verwendet wurden. Im Vietnamkrieg kamen Napalm und Agent-Orange zum Einsatz, wodurch ganze Wälder in Flammen aufgingen und entlaubt wurden. Während des Golfkriegs 1991 und des Jugoslawienkrieges 1999 schreckte man nicht davor zurück, uranangereicherte Munition zu verwenden, oder weißen Phosphor gegen das palästinensische Volk einzusetzen. Es ist eine Welt, die Atomwaffen erfunden und sie bereits zweimal gegen Zivilisten eingesetzt hat.

In den letzten Jahren wurden Konflikte in Afghanistan (1979 und 2001), im Irak (1991 und 2003), in Syrien (2011), im Jemen (seit 2014) und an vielen anderen Orten der Welt ausgetragen. Dabei kam es nicht nur zu Hunderttausenden Toten, die eine direkte Folge von Kriegshandlungen waren, sondern auch zu unzähligen Erkrankungen und Todesfällen, die auch Jahre später aufgrund von Strahlung und Umweltschäden hervorgerufen werden.

Nach dem Golfkrieg von 1991 kam es zu einem signifikanten Anstieg von Krebserkrankungen, insbesondere bei Kindern. Als Ursache wurde der Einsatz von uranangereicherter Munition und anderen krebserregenden Substanzen genannt.

Während der direkte Zusammenhang von einigen bestritten wird, belegen Untersuchungen über die Auswirkungen von Giftstoffen auf US-Truppen die Tatsache, dass derartige Konflikte zwangsläufig Umweltschäden verursachen. Diese gefährden nicht nur die Truppen der Invasoren, sondern fügen auch der Zivilbevölkerung massiven Schaden zu.

Solche Konflikte sind untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden. Aufgrund seiner philosophischen Grundlage muss der Kapitalismus eine militarisierte kolonialistische Außenpolitik betreiben. Thomas Friedman veranschaulichte die Beziehung zwischen Kapitalismus und Krieg mit den Worten: „Die unsichtbare Hand des Marktes wird niemals ohne seine Faust funktionieren – McDonald’s kann ohne McDonnell Douglas, den Erbauer der F-15, nicht gedeihen.“

Verbesserte man die Sicherheitslage in jenen Regionen, die von Konflikten betroffen sind, ließen sich viele Schäden für Mensch und Umwelt lindern oder von vornherein verhindern.

2.1.2 Probleme im Zusammenhang mit schlechter Staatsführung

Armut

Auch im 21. Jahrhundert leiden weltweit Millionen Menschen unter bitterer Armut. Als wäre dies nicht beschwerlich genug, hat ein Großteil von ihnen obendrein mit schlechter Hygiene, unzureichender Abwasserentsorgung und schmutzigem Wasser zu kämpfen. In Wahrheit handelt es sich hierbei um ein Versagen der Staatsführung, die sich nicht um die Angelegenheiten der Menschen kümmert und es versäumt, den Wohlstand gerecht zu verteilen.

Auch bei kontaminiertem Wasser handelt es sich um Umweltkatastrophen, mit denen die Menschen tagtäglich leben müssen und an denen viele sterben. Diese Themen sind jedoch nicht Gegenstand von Debatten oder Sorgen über künftige Umweltschäden.

Für viele Menschen ist es heute normal geworden, schmutziges Wasser zu trinken oder in Abwässern zu baden. Obwohl dieses Problem dringend behandelt werden muss, wird es seit Jahrzehnten vernachlässigt. In vielen Teilen der Welt ist das Trinkwasser ständig der Gefahr ausgesetzt, durch diverse Krankheitserreger verunreinigt zu werden. Zu der drohenden und bereits existenten Verunreinigung des Wassers gehören lebensbedrohliche Bakterien wie Cholera, Typhus, Shigella und E. Coli, Viren wie Hepatitis A und Noroviren (im Badewasser), Protozoen wie Kryptosporidien und Giardia sowie andere Parasiten wie Bilharziose.

Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2019 kommt zum Schluss, dass mindestens 2 Milliarden Menschen darauf angewiesen sind, eine mit Fäkalien kontaminierte Trinkwasserquelle zu nutzen. Verunreinigtes Trinkwasser verursacht oftmals Durchfallerkrankungen und führt demnach jedes Jahr zu 485.000 Todesfällen.

Die Trennung von sauberem und schmutzigem Wasser lässt sich durch politische Maßnahmen bewerkstelligen. Die Industrieländer haben dieses Problem bereits vor mehr als einem Jahrhundert gelöst und konnten dadurch das Auftreten diverser Krankheitserreger drastisch reduzieren. In vielen Ländern der Welt – insbesondere in den ehemaligen Kolonien – ist die Staatsführung allerdings so korrupt, dass diesen grundlegenden Maßnahmen keine Beachtung geschenkt wird.

Die globale Ungleichheit hat sich unter der kapitalistischen Weltordnung zusätzlich verschärft. Die Kluft zwischen denjenigen, denen es an grundlegenden Hygienestandards mangelt, und jenen, die im Überfluss schwimmen, hat sich im Laufe der Zeit vergrößert.

Die Armut lässt sich durch wirtschaftspolitische Maßnahmen bekämpfen, um die breite Bevölkerung am Wohlstand teilhaben zu lassen. Durch eine Verbesserung der Staatsführung, ließen sich bereits einige Auswirkungen der Armut beseitigen. Das sind also Schritte, die bereits heute unternommen werden können, um diese realen Probleme von Millionen Menschen anzugehen.

Die Anhäufung von biologisch nicht abbaubaren Materialien

Die massive Verwendung von Produkten auf Kunststoffbasis stellt ein immer größeres Problem dar. Im Gegensatz zu organischen Produkten lässt sich Kunststoff nur schwer abbauen und verursacht gigantische Müllberge auf Mülldeponien. Darüber hinaus treibt Kunststoff seit Jahrzehnten im Meer, belastet Flüsse und Wasserwege.

Die US-Umweltschutzbehörde schätzt, dass im Jahr 2018 rund 146 Millionen US-Tonnen (132 Millionen Tonnen) fester Hausabfälle auf Deponien gelagert wurden. Dabei machten Lebensmittel mit etwa 24 % den größten Anteil aus, während auf Kunststoffe über 18 % (24 Millionen Tonnen) entfielen.

Diese gigantischen Müllberge sind Nebenprodukte des Wachstumsimperativs und der Konsumphilosophie, die vom Kapitalismus propagiert werden. Auf diese treibenden Kräfte werden wir später noch ausführlicher eingehen.

Sowohl das islamische Wirtschaftssystem als auch das islamische Wertegefüge im Allgemeinen können erheblich dazu beitragen, derartige Nebenwirkungen von vornherein zu verhindern. Darüber hinaus würde eine gute Staatsführung auch den Aspekt der Regulierung angehen.

Andere Formen der industriellen Verschmutzung

Wasser: Abgesehen von den bereits erwähnten hygienischen Verunreinigungen kann das Trinkwasser auch durch chemische Abfälle aus Fabriken, Pflanzenschutz- bzw. Düngemittel aus der Landwirtschaft und sonstige giftige Substanzen verunreinigt werden. Schwermetalle, giftige Chemikalien, Mikroplastik und sogar radioaktive Isotope sind nur einige der Schadstoffe, die man im Grundwasser finden kann. Unsere Abfälle, die in Flüssen und im Meer entsorgt werden, gelangen über unsere Lebensmittel wieder zurück in den menschlichen Organismus. Die Atomkatastrophe von Fukushima hat nicht nur die Luft, sondern auch das Wasser verseucht. Ebenso ist bei der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl radioaktives Wasser in den Boden gesickert.

Fakten zur Wasserqualität:

– Weltweit ist jeder neunte Mensch darauf angewiesen, Trinkwasser aus minderwertigen und unsicheren Quellen zu beziehen.

– 2,4 Milliarden Menschen leben ohne jegliche Form der Abwasserentsorgung.

– Der Mangel an sanitären Einrichtungen ist eine der wichtigsten Ursachen für die Wasserverschmutzung.

– In Entwicklungsländern fließen 90 % der Abwässer (ohne jegliche Aufbereitung) direkt in Flüsse und andere Gewässer.

– Jeden Tag gelangen 2 Millionen Tonnen Kanalisationswasser und anderer Abwässer in die Gewässer dieser Welt.

– Allein die Industrie leitet jedes Jahr etwa 300-400 Megatonnen Abfall in unsere Gewässer.

– Die diffuse Verschmutzung durch Landwirtschaft und Wohngebiete trägt in Kombination mit der Verschmutzung durch Industrieabfälle oftmals erheblich zur Gesamtschadstoffbelastung des Wassers bei.

– Schätzungen zufolge ist der Verlust eines Drittels der weltweiten Artenvielfalt auf die Verschlechterung der Süßwasserökosysteme zurückzuführen; vor allem die Verschmutzung der Wasserressourcen sowie der Wasserökosysteme dürfte hier eine bedeutende Rolle gespielt haben.

– Die Verwendung von Abwasser in der Landwirtschaft ist zwar ein wichtiger Faktor bei der Bodennutzung, birgt allerdings auch ernsthafte Gesundheitsrisiken.

Quelle: https://en.unesco.org/waterquality-iiwq/wq-challenge (letzter Zugriff am 26.9.21)

Luftverschmutzung: Die WHO schätzt, dass jedes Jahr etwa 7 Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Sie geht davon aus, dass weltweit 9 von 10 Menschen Luft einatmen, die hohe Schadstoffkonzentrationen aufweist. Dadurch trägt Luftverschmutzung in hohem Maße zur Sterblichkeit bei. Sie ist Schätzungen zufolge mitverantwortlich für 25 % der Todesfälle bei Erwachsenen, die durch Herzkrankheiten und Schlaganfälle hervorgerufen werden, für 29 % der Todesfälle, die durch Lungenkrebs verursacht werden, und für 43 % der Todesfälle, die eine Folge von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen sind. Leider gelten Bangladesch, Pakistan, Indien und Afghanistan als die Länder mit der schlimmsten Luftverschmutzung – ein erdrückender Beweis gegen das derzeitige System.

Die Bewältigung all dieser Umweltprobleme erfordert eine geeignete Staatsführung, die Umweltstandards festlegt, überwacht und durchsetzt – etwas, woran es in vielen Teilen der Welt leider mangelt.

2.2 Der Klimawandel

Aktuell ist der Klimawandel das beherrschende Thema, das überall diskutiert wird. Es wird befürchtet, dass steigende Temperaturen der menschlichen Gesundheit schaden könnten und dass ein Anstieg des Meeresspiegels Überschwemmungen, Massenflucht und Ernährungsunsicherheit zur Folge hätte.

Die vorherrschende Meinung der wissenschaftlichen Experten besagt momentan, dass die Durchschnittstemperatur der Erde fast doppelt so schnell ansteigt wie noch vor 50 Jahren. Es wird argumentiert, dass sich dieses Phänomen nicht allein durch natürliche Zyklen erklären ließe. Stattdessen seien die von der Menschheit emittierten Treibhausgase (THG) für diese jüngste Entwicklung des Klimas verantwortlich. Zu diesen Treibhausgasen, die Wärme in unserer Atmosphäre speichern, gehören Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid. Nach Ansicht vieler Experten sei die Konzentration dieser Treibhausgase in der Erdatmosphäre derzeit höher als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 800.000 Jahren. Dieser Wärmestau und der daraus resultierende Temperaturanstieg kann in vielerlei Hinsicht schädlich sein. Beispielsweise könnten dadurch empfindliche Ökosysteme zerstört werden und die globalen Süßwasserreservoirs zur Neige gehen. Außerdem wäre dadurch die Artenvielfalt gefährdet und extreme Wetterereignisse wie Dürren und Wirbelstürme könnten vermehrt auftreten.

Diese vorherrschende Expertenmeinung unterstützt die Auffassung, dass der Mensch negative Auswirkungen auf den Planeten hat. Sie wird in dem 42-seitigen Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) zusammengefasst, der als „Briefing für politische Entscheidungsträger“ bekannt ist und im August 2021 veröffentlicht wurde.

Die wichtigsten Punkte des IPCC-Berichts 2021 lauten:

– Die globale Oberflächentemperatur war zwischen 2011 und 2020 um 1,09 °C höher als im Zeitraum 1850-1900.

– Die letzten fünf Jahre waren die wärmsten seit 1850.

– Die jüngste Anstiegsrate des Meeresspiegels hat sich im Vergleich zu 1901-1971 fast verdreifacht.

– Der menschliche Einfluss ist „sehr wahrscheinlich“ (zu 90%) die Hauptursache für den weltweiten Rückgang der Gletscher seit den 1990er Jahren und den Rückgang des arktischen Meereises.

– Es ist „nahezu sicher“, dass heiße Extreme, einschließlich Hitzewellen, seit den 1950er Jahren häufiger und intensiver geworden sind, während kalte Ereignisse seltener und weniger massiv auftreten.[1]

Es wird argumentiert, dass es sich hierbei um eine Problematik handelt, die nicht von einem Land allein angegangen werden kann. Vielmehr müssten die Staaten der Welt zusammenkommen und kooperieren, da Klima, Luft und Wasserwege eine grenzüberschreitende Angelegenheit sind.

Dennoch ist diese Meinung nicht völlig unumstritten.

Erstens: Es gibt Leute, die den IPCC als eine „Stimme des Establishments“ betrachten. Derzeit sind 195 Regierungen Mitglieder des IPCC, während 134 Organisationen als Beobachter registriert sind. Seine Finanzierung erfolgt über einige Mitglieder, Einrichtungen der UN sowie über die EU. Allein dieser Umstand lässt bereits Zweifel an seiner „Unabhängigkeit“ aufkommen.

Zweitens: Die Wissenschaft ist nur selten unvoreingenommen. Selbst wenn man Interessenkonflikte ausschließt, sind die Debatten über den Klimawandel dermaßen polarisiert, dass es schwer ist, persönliche Voreingenommenheit auszuschließen.

Drittens: Die Wissenschaft liefert nur selten definitive Erkenntnisse (qaṭʿī). Je mehr Variablen bei einem bestimmten Thema eine Rolle spielen, desto weniger präzise und sicher ist das wissenschaftliche Ergebnis. Daher haben nicht wenige eine skeptische Haltung gegenüber den wissenschaftlichen Aussagen über den Klimawandel. Angesichts der Tatsache, dass der Klimawandel eines der komplexesten Phänomene ist, mit denen sich die Wissenschaft befasst, erscheinen selbst die stärksten Meinungen darüber relativ ungewiss. Inwieweit das menschliche Verhalten zum Klimawandel beigetragen hat, scheint noch ungewisser zu sein. Für zusätzliche Ungewissheit sorgen allerdings auch die vorgeschlagenen Lösungen des Problems (z. B. durch größere Änderungen der Zielvorgaben für CO2-Emissionen).

Unabhängig davon, welche Meinung bezüglich des Klimawandels plausibler erscheint, gibt es in dieser Diskussion einige wichtige Punkte zu beachten:

– Der primäre Fokus auf die angestrebten Klimaziele ignoriert die immanente Notwendigkeit des kapitalistischen Systems, für eine hohe Nachfrage nach materiellen Produkten zu sorgen. Obwohl es dringend nötig wäre, hat das derzeitige System offensichtlich nicht die Absicht, den Konsumismus und das endlose Streben nach Wirtschaftswachstum in Frage zu stellen.

– Bei den internationalen Verhandlungen über die Zielvorgaben stehen die mächtigen Nationen in Konkurrenz zueinander und handeln nur im eigenen Interesse. Dabei versucht jeder einflussreiche Staat ein Ergebnis zu erreichen, das für seine eigene Agenda günstig ist. Die muslimische Welt besitzt bei diesen Verhandlungen keine starke Stimme, ebenso wenig wie die Entwicklungsländer.

– Schwache Regierungskompetenzen gepaart mit einem Mangel an strategischem Denken lassen jetzt schon erahnen, wie der weitere Verlauf aussehen dürfte. Ein Großteil der Welt wird weiterhin hinterherhinken, während die Industrieländer eilig an technologischen Veränderungen arbeiten, um im globalen wirtschaftlichen Wettlauf auch künftig führend zu sein.

Es wird davon ausgegangen, dass der Klimawandel und die globale Erwärmung mit dem Kapitalismus in Verbindung stehen. Die Ursache dafür sieht man im exzessiven Konsumismus, der die Gier nach materiellen Gütern anheizt, sowie in der unregulierten Industrialisierung, die zur Befriedigung der zügellosen Nachfrage erforderlich ist. Auf diesen Zusammenhang werden wir im nächsten Abschnitt ausführlicher eingehen.

An dieser Stelle sollte jedoch ausgesprochen werden, was offensichtlich ist: Nur wenige politische Entscheidungsträger sind bereit, Maßnahmen vorzuschlagen, um die Exzesse des Konsumismus einzudämmen. Obwohl diese Exzesse für die Schäden verantwortlich gemacht werden, die vermutlich zur Beeinträchtigung des globalen Klimas geführt haben, kann man kaum Handlungsbereitschaft erkennen.

Bei der derzeitigen Debatte über den Klimawandel geht es im Wesentlichen um Geopolitik. Es handelt sich um ein Tauziehen zwischen diversen Staaten, die miteinander um wirtschaftliche Vorherrschaft und Energiesicherheit konkurrieren. Es geht darum, die Agenda zu bestimmen, um die eigenen Interessen zu schützen, und nicht darum, den Planeten zu retten.