Konzeptionen Der Islam und die ökologische Herausforderung (Teil 5) – Die Lage in der muslimischen Welt

In dieser 6-teiligen Serie befasst sich Dr. Abdul Wahid mit den ökologischen Herausforderungen und ihren Ursachen. Gleichzeitig beleuchtet er die zahlreichen Gipfeltreffen, die versucht haben, das Problem anzugehen. Darüber hinaus werden die ökologischen Herausforderungen in der muslimischen Welt untersucht und die einzigartige Perspektive des Islam auf die Umwelt aufgezeigt.

Wie bereits gesagt wurde, geht es bei Umweltfragen nicht nur um die globale Erwärmung. Auch in der muslimischen Welt sind die Menschen regelmäßig von Umweltkatastrophen betroffen und offensichtlichen Gefahren ausgesetzt.

Es ist traurig und beschämend zugleich, dass es sich dabei um Probleme handelt, die durch gute politische Führung verhindert bzw. gelöst werden könnten. Die Lösungen erfordern weder Konferenzen noch Zusammenarbeit auf internationaler Ebene – nur den politischen Willen, sich um die Angelegenheiten der Menschen zu kümmern.

Luftverschmutzung: Die Luftqualität in den muslimischen Ländern zählt zu den schlechtesten der Welt:

Die Website https://www.iqair.com befasst sich mit der Luftqualität auf der ganzen Welt. Ihre Statistiken zeigen, dass im Jahr 2020 dreizehn Länder eine schlechtere Luftqualität aufwiesen als China, wobei unter ihnen ganze zehn Länder mit muslimischer Mehrheit waren. Dabei ist China das bevölkerungsreichste Land der Welt und hat die am schnellsten wachsende Wirtschaft. Auch wurde Indien nicht berücksichtigt, da es zwar eine der größten muslimischen Bevölkerungen hat, diese allerdings keine Mehrheit ausmacht. Untersucht man die Luftqualität in den Großstädten, erkennt man sofort, dass die Städte mit der schlechtesten Luftqualität in der muslimischen Welt liegen:

Am 26. September 2021 führte dieselbe Website die zehn Städte mit der höchsten Luftverschmutzung an. Traurigerweise belegten Lahore, Kabul, Dhaka und Tall ʾAbīb-Yāfā (das im besetzten Palästina liegt und fälschlicherweise als „Tel Aviv“ bezeichnet wird) die führenden vier Plätze, während Karatschi auf Platz sechs lag.

Die WHO beschreibt das Problem folgendermaßen: „Die gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung sind gravierend – ein Drittel der Todesfälle durch Schlaganfall, Lungenkrebs und Herzkrankheiten sind auf die Luftverschmutzung zurückzuführen. Die Auswirkungen entsprechen denen des Tabakrauchens und sind weitaus größer als beispielsweise die Auswirkungen einer übermäßigen Salzzufuhr.“[1]

Wasserverschmutzung: Auch bezüglich der Wasserverschmutzung zeichnet sich ein vergleichbares Bild ab. So verfügen Länder mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil über sehr schlechte Trinkwasserstandards.

(Quelle: https://epi.yale.edu/epi-indicator-report/H2O letzter Zugriff am 26.9.21)

Die obige Tabelle zeigt eine Rangliste von 178 Ländern, die entsprechend ihrer Wasserqualität gelistet wurden. Während die westeuropäischen Länder die höchsten Werte erzielten, liegen die Länder mit den niedrigsten Werten fast alle in Afrika. Aber auch außerhalb Afrikas finden sich Länder mit schlechter Wasserqualität – oftmals mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

All die genannten Beispiele, aber auch zahlreiche unerwähnte Probleme, verdeutlichen ein klares Bild. Einerseits werden viele Länder – insbesondere in der muslimischen Welt – von korrupten Regierungen beherrscht, andererseits wird die Welt maßgeblich vom kapitalistischen System bestimmt. Durch die Kombination dieser beiden Übel wird den Menschen und dem Planeten großer Schaden zufügt.

Führung:

Obwohl die muslimischen Länder zu den energiereichsten Regionen der Welt gehören, sind die Herrscher in der muslimischen Welt keine Führungspersönlichkeiten. Somit haben sie zu den Umweltdebatten, die heute weltweit geführt werden, leider nichts beizutragen.

[1] How air pollution is destroying our health, WHO, abgerufen am 9. Oktober 2021, https://www.who.int/news-room/spotlight/how-air-pollution-is-destroying-our-health