Islamische Kultur Die islamische Botschaft – Teil 2

Diese gekürzte Exegese von Koranversen (tafsīr) basiert auf dem Buch „at-Taysīr fī uṣūl at-tafsīr“ von Scheich ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta und beschreibt die Anfangsphase der Prophetenschaft von Mohammed (s). Sie zeigt, wie der Prophet (s) seine Mission aufnahm und damit begann, die Botschaft des Islam zu verkünden, um die Menschheit aus der Finsternis ins Licht zu führen. Der tafsīr widmet sich den entsprechenden āyāt und schildert in anschaulicher Weise, wie Allah (swt) sie der arabischen Sprache bediente und den Glauben der Araber sowie ihre Sitten und Werte herausforderte. Obwohl sich ihr Widerstand zunächst in Leugnung zeigte und schließlich in offene Feindseligkeit umschlug, konnten die Araber die Wahrhaftigkeit der Rede Allahs (swt) nicht widerlegen, da diese in einer Sprache offenbart wurde, die den Arabern wohl bekannt war.

Die Verblendung

Das sprachliche Wunder des Koran und ihre Unfähigkeit, auch nur eine Sure seinesgleichen hervorzubringen, hätte den Arabern völlig genügen müssen, um die Wahrhaftigkeit des Islam und seinen göttlichen Ursprung zu bezeugen. Doch dem Satan gelang es, sie zu verführen und mithilfe ihrer Begierden in die Irre zu leiten:

﴿زُيِّنَ لِلنَّاسِ حُبُّ الشَّهَوَاتِ مِنَ النِّسَاءِ وَالْبَنِينَ وَالْقَنَاطِيرِ الْمُقَنْطَرَةِ مِنَ الذَّهَبِ وَالْفِضَّةِ وَالْخَيْلِ الْمُسَوَّمَةِ وَالْأَنْعَامِ وَالْحَرْثِ ۗ ذَلِكَ مَتَاعُ الْحَيَاةِ الدُّنْيَا ۖ وَاللَّهُ عِنْدَهُ حُسْنُ الْمَآبِ

Ausgeschmückt worden ist den Menschen die Liebe der Begierden, nach Frauen, Söhnen, angehäuften Mengen an Gold und Silber, Rassepferden, Vieh und Ländereien. Dies ist der Genuss des diesseitigen Lebens, doch bei Allah liegt die schönste Einkehr.[3:14]

So maßen sie ihrer Erkenntnis einen geringeren Stellenwert bei, waren hochmütig und starrköpfig und hielten, obwohl sie die Wahrheit erkannt hatten, an ihrem Unglauben fest.

Die Folge war, dass ihre Beklemmung und Ratlosigkeit sich nur noch verstärkten. Denn wie sollten sie, die Virtuosen der Sprachkunst, die Massen nun davon überzeugen, dass dieser Koran nicht das Wort Allahs ist? Wie sollte es ihnen gelingen, die Menschen vom Koran abzubringen, so dass auch sie ihm nicht folgen?

Verzweifelt dachten sie über ihr Vorhaben nach und suchten mit allen Mitteln nach einem Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Jedoch strickten sie nur an ihrer eigenen Vernichtung, und anstatt einen Ausweg zu finden, wurde ihre Lage zunehmend schlimmer.

﴿لَهُ دَعْوَةُ الْحَقِّ ۖ وَالَّذِينَ يَدْعُونَ مِنْ دُونِهِ لَا يَسْتَجِيبُونَ لَهُمْ بِشَيْءٍ إِلَّا كَبَاسِطِ كَفَّيْهِ إِلَى الْمَاءِ لِيَبْلُغَ فَاهُ وَمَا هُوَ بِبَالِغِهِ ۚ وَمَا دُعَاءُ الْكَافِرِينَ إِلَّا فِي ضَلَالٍ

Ihm gebührt der wahre Bittruf. Und diejenigen, die sie an Seiner Stelle anrufen, erhören sie in nichts. Sie gleichen nur dem, der seine Hände nach Wasser ausstreckt, damit es seinen Mund erreiche, doch erreicht es ihn nicht. Und der Bittruf der Ungläubigen geht nur ins Leere.[13:14]

Sie begegneten dem Koran mit Unglauben und entfernten sich von ihm. Anstatt einen Beweis für sich zu finden, erbrachten sie den Beweis gegen sich selbst.

So sagten sie zunächst: „Sie sind nichts anderes als die Worte Muḥammads“. Aber wie konnten es die Worte Muḥammads sein, wenn sie sich von dem unterschieden, was er vorzutragen pflegte? Und wie sollte Muḥammad, der Analphabet, in der Lage sein, so etwas hervorzubringen, wo doch sein ganzes Volk nicht in der Lage ist, etwas Gleiches hervorzubringen, obwohl es lesen und schreiben kann? Und so mussten sie sich eingestehen, dass ihre Behauptung, es handle sich um Muḥammads eigene Worte, keine Gültigkeit hatte. Also verwarfen sie diese Anschuldigung wieder und suchten nach anderen Erklärungen.

Dann sagten sie: „Ein Mann, der nicht von uns ist, lehrt ihn“, und meinten damit einen ausländischen Christen. Doch widerlegten sie sich damit selbst, da der Junge, den sie als Quelle ausgemacht hatten, kein Araber war und das Arabische nicht wirklich beherrschte:

﴿وَلَقَدْ نَعْلَمُ أَنَّهُمْ يَقُولُونَ إِنَّمَا يُعَلِّمُهُ بَشَرٌ ۗ لِسَانُ الَّذِي يُلْحِدُونَ إِلَيْهِ أَعْجَمِيٌّ وَهَذَا لِسَانٌ عَرَبِيٌّ مُبِينٌ

Und Wir wissen wohl, dass sie sagen: „Es lehrt ihn ein Mensch.“ Die Sprache dessen, auf den sie abwegig hinweisen, ist eine fremde, während dies hier eine klare arabische Sprache ist.[16:103]

Also verwarfen sie auch diese Anschuldigung und suchten weiter.

Danach behaupteten sie: „Es ist nichts als erzählte Magie, bezaubernde Worte“. Aber sie erkannten bald, dass auch diese Behauptung ins Leere ging. Indem sie nämlich den Koran aufgrund seiner überwältigenden Stärke für Magie hielten, gestanden sie ihre eigene Unfähigkeit ein. Außerdem sprachen die Beweise gegen sie, da sie in der Magie gut bewandert waren und umfassende Kenntnis von ihr hatten. Der Unterschied zwischen den Äußerungen eines Magiers und den Worten des Koran war für sie offenkundig.

Sie standen kurz davor, auch diese Verunglimpfung fallen zu lassen, wenn sie nicht erkannt hätten, dass sie dadurch einen Teil der Öffentlichkeit in ihren Bann ziehen konnten. So beschworen sie die Menschen: „Seht ihr nicht, dass der Eintritt in den Islam den Sohn dazu bringt, die Anbetung der Götzen seines Vaters aufzugeben, so dass der Islam sie beide auseinanderbringt, als wäre es Magie?“

Sie stellten also fest, dass dieses Mittel für die Irreführung nützlicher war als ihre bisherigen Behauptungen. Daher verließen sie sich zunächst auf diese Strategie.

﴿فَقَالَ إِنْ هَذَا إِلَّا سِحْرٌ يُؤْثَرُ

Dann sagte er: „Dies ist doch nichts als Magie, die (von alters her) überliefert wird.“[74:24]

Jedoch war es erneut so, als ob sie vom Regen in die Traufe gekommen wären.

Denn sobald jemand hörte, wie Allahs Worte rezitiert wurden, war er sich absolut sicher, dass es sich dabei nicht um Magie handelte. Deshalb beschlossen die Feinde des Islam, sich zwischen das Volk und den Rezitierenden des Koran zu stellen. Dadurch wollten sie die Menschen daran hindern, das Wort Allahs zu hören.

﴿وَقَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لَا تَسْمَعُوا لِهَذَا الْقُرْآنِ وَالْغَوْا فِيهِ لَعَلَّكُمْ تَغْلِبُونَ

Und die Ungläubigen sagen: „Hört nicht auf diesen Koran und redet störend dazwischen, auf dass ihr euch durchsetzen möget!“[41:26]

Sie machten Lärm, um die Rezitation zu stören, bis niemand mehr hören konnte, was der Gesandte Allahs (s) vorbrachte. Die Situation erreichte sogar einen Punkt, an dem sie vorauseilend auf die Geschäftsreisenden und Pilger zugingen, um sie vor der Magie Muḥammads (s) zu warnen. Manchmal wählten sie dafür das Mittel der Verlockung und manchmal das der Angst. Sie befürchteten, dass die Besucher Mekkas erkennen würden, dass es die Worte Allahs sind, wie sie es selbst erkannt hatten. Die Feinde des Islam bedienten sich dieser Strategien, damit weder die Wüstenaraber noch die Besucher Mekkas oder dessen Bewohner gläubig werden. Auf diese Weise wollten sie das Aufkommen des Islam und das Hissen seines Banners möglichst hinauszögern. Sie taten dies, damit die Anhänger des Erbarmungsvollen keinen Zuwachs erfahren und Sein Wort nicht verbreitet wird, obwohl sie hätten wissen müssen, dass dies nicht verhindert werden konnte.

Auf diese Weise gingen sie gegen die Botschaft des Islam vor, obwohl sie erkannt hatten, dass dieser Koran das Wort Allahs ist. Diese Erkenntnis ließ ihnen jedoch keinen Frieden. Nachts gingen ihre Anführer heimlich zum Haus des Gesandten Allahs (s), um den Versen des Koran zu lauschen. Wenn sie auf dem Rückweg aufeinandertrafen, schworen sie sich, nie wieder zurückzukehren, damit ihre heimliche Bewunderung des Koran nicht öffentlich bekannt wird. Doch sie kehrten wieder zurück, denn der Koran hatte ihre Herzen erobert. Einer der ungläubigen Stammesfürsten konnte sich nicht zurückhalten und gestand: „Er ist so anmutig und süß. Sein Stamm ist üppig und seine Spitzen leuchten. Er erhebt sich über alles und nichts erhebt sich über ihn.“

Das heißt, die Gegner des Gesandten Allahs (s) waren in einem echten Dilemma. Einerseits wurden sie von der Erkenntnis angezogen, dass dieser Koran das Wort Allahs ist. Gleichzeitig fühlten sie sich ihren Götzen und den Sitten ihrer Vorväter verpflichtet und waren von ihren eigenen Interessen und Begierden geleitet.

Diejenigen von ihnen, die ein reines Wesen und einen klaren Verstand hatten, wurden sich der Wahrheit bewusst. Sie bereuten, wurden gläubig und gottesfürchtig.

Diejenigen von ihnen jedoch, deren Augen geblendet waren, die sich auf primitivster Bewusstseinsebene wohl fühlten und die eigene verdorbene Weltsicht für das Maß aller Dinge hielten, irrten weiter in ihrer Anmaßung umher. Sie warfen sich weiterhin vor ihren Götzen nieder und umklammerten sie. Und so nahmen einige den Glauben an und andere nicht. Wer entschlossen die Wahrheit suchte, eilte zum Iman hin, und wer zögerte, hielt inne, bis der islamische Staat in Medina errichtet wurde. Sodann verbreitete sich der Islam auf der gesamten arabischen Halbinsel. Sein Licht breitete sich über die Menschheit aus und setzte der Unterdrückung und dem Unrecht der damaligen Weltmächte ein jähes Ende. Persien wurde zerschlagen, Byzanz unterworfen und der islamische Staat wurde groß und mächtig. Durch den ğihād wurde Gerechtigkeit verbreitet und das Banner des Islam emporgehoben – das Banner von lā ilāha ill-Allāh Muḥammādun rasūl Allāh. Die Eröffnungen dehnten sich weiter aus, und die Erde erstrahlte im Licht des Islam.

Basierend auf dem Buch „at-Taysīr fī uṣūl at-tafsīr“ von Scheich ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta.