Islamische Kultur Die islamische Botschaft – Teil 6

Dies ist der sechste Teil der Einleitung in die gekürzte Exegese von Koranversen (tafsīr) der Sure al-Baqara, basierend auf dem Buch „at-Taysīr fī uṣūl at-tafsīr“ von Scheich ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta.

Dies ist der sechste Teil der Einleitung in die gekürzte Exegese von Koranversen (tafsīr) der Sure al-Baqara, basierend auf dem Buch „at-Taysīr fī uṣūl at-tafsīr“ von Scheich ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta.

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen

Zwei wichtige Punkte sind an dieser Stelle unbedingt zu nennen:

Erstens: Einige Leute meinen, dass es nicht nötig sei, der arabischen Sprache so viel Bedeutung beizumessen, um den Koran richtig verstehen zu können. Sie gehen davon aus, dass der Koran selbsterklärend sei bzw. durch die Aussagen des Propheten (s), den Hadithen, ohnehin erläutert worden wäre. Mit anderen Worten: Ein Koranvers ließe sich durch einen anderen Vers oder Hadith hinreichend erklären. Daher bestehe überhaupt keine Notwendigkeit, sich in besonderem Maße auf die arabische Sprache zu stützen.

Auf der Grundlage dieser Annahme wurden sogar mehrere Bücher veröffentlicht, wie z. B. das Handbuch: Tafsīr al-Qurʾān bil-Qurʾān (Den Koran mit dem Koran erklären). Die Autoren und Befürworter solcher Handbücher dachten wohl, diese Annahme sei richtig.

Zweitens: Es gibt auch Leute, die meinen, dass es in der arabischen Sprache bzw. im Koran keine Metaphern (mağāz) gebe. Auch sie gehen davon aus, dass ihre Annahmen richtig seien.

Bezüglich der ersten Aussage: Derjenige, der den Koran aufmerksam liest, wird unweigerlich zu einem anderen Schluss kommen, denn diese Annahme ist aus den folgenden Gründen nicht stimmig:

1. Es werden bei weitem nicht alle Koranverse durch andere āyāt oder Hadithe erklärt. Tatsächlich ist dies eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch existieren einige (wenige) Koranverse, die durch andere āyāt oder durch Hadithe des Gesandten (s) erläutert wurden, wie z. B. der Vers:

﴿إِنَّ الْإِنْسَانَ خُلِقَ هَلُوعًا

Gewiss, der Mensch ist schreckhaft erschaffen worden.[70:19]

Erläutert wird er durch die beiden darauffolgenden Verse, in denen es heißt:

﴿إِذَا مَسَّهُ الشَّرُّ جَزُوعًا # وَإِذَا مَسَّهُ الْخَيْرُ مَنُوعًا

Wenn ihn Schlechtes trifft, ist er panisch; und wenn ihn Gutes trifft, dann geizt er.[70:20-21]

Auch wurde Allahs Befehl im Koran:

﴿وَأَقِيمُوا الصَّلَاةَ

Und verrichtet das Gebet![2:43]

vom Gesandten Allahs (s) erläutert und in Hadithen genau dargelegt.

2. Obwohl durchaus Koranverse existieren, die durch andere āyāt bzw. Hadithe erläutert werden, ist selbst in diesem Fall eine profunde Kenntnis der arabischen Sprache erforderlich. Denn die Erläuterungen, die in einer anderen āya oder Hadith enthalten sind, können nur in jener Sprache exakt verstanden werden, in der sie auch offenbart wurden. Da dies sowohl beim entsprechenden Vers als auch bei dessen Erläuterung in arabischer Sprache erfolgte, ist ausschließlich diese Sprache dafür geeignet, um ein vollumfängliches Verständnis zu erlangen.

Es steht also fest, dass nicht jeder Koranvers durch eine āya oder einen Hadith erläutert wurde. Des Weiteren haben wird festgehalten, dass selbst eine Erläuterung, die in einem Vers oder Hadith enthalten ist, ausreichende Kenntnisse der arabischen Sprache erfordert, um überhaupt richtig verstanden zu werden. Diese beiden Umstände verdeutlichen, dass die Behauptung derjenigen, die sagen, der Koran könne durch sich selbst oder durch Hadithe erklärt werden, falsch ist und nicht als Argument dienen kann. Gleichzeitig ist damit die zweite Behauptung widerlegt und als falsch erwiesen worden, die besagt, dass es nicht nötig sei, der arabischen Sprache so viel Bedeutung beizumessen, um den Koran richtig verstehen zu können.

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass derjenige, der hofft, den Koran verstehen zu können, ohne der arabischen Sprache mächtig zu sein, einen fatalen Irrtum begeht. Anstatt ein korrektes Verständnis des Koran anzustreben, wendet er sich durch diese Herangehensweise vom ihm ab, wodurch er schließlich das Handeln im Einklang mit dem Wort Allahs aussetzt. Er begeht dadurch eine große Sünde, denn der Koran wurde in arabischer Sprache offenbart und ohne ausreichende Kenntnisse dieser Sprache ist es nicht möglich, das Wort Allahs richtig zu verstehen.

Aufgrund dessen waren die Rechtsgelehrten (fuqahāʾ) sehr darum bemüht, fundierte Kenntnisse der arabischen Sprache zu erlangen. So war es für die Gelehrten, die Rechtsableitungen durchführten (muğtahidūn) undenkbar, den Koran zu verstehen und Rechtssprüche aus ihm abzuleiten, ohne über ausreichende Kenntnisse der arabischen Sprache zu verfügen.

Mangelnde Arabischkenntnisse haben erheblich dazu beigetragen, dass viele Menschen vom geraden Weg abgekommen sind. Viele ließen sich aber auch dadurch auf den Irrweg führen, dass sie die Verse Allahs nicht ausschließlich gemäß ihren Bedeutungen in der Sprache des Koran gedeutet haben, obwohl Allah (swt) Sein Buch ausdrücklich in arabischer Sprache offenbart hat. Als der Gesandte (s) bemerkte, dass ein Mann in seiner Rede sprachlichen Irrtümern verfiel, sagte er (s):

«أرشدوا أخاكم فقد ضل»

Leitet euren Bruder recht, denn er ist irregegangen.

Um auf die Folgen dieser falschen Aussage hinzuweisen, bezeichnete der Gesandte Allahs (s) den sprachlichen Irrtum als „Irrgang“ (ḍalāl). Er benutzte also einen Begriff, der die Wirkung (den Irrgang) statt der Ursache (sprachlicher Irrtum) bezeichnet.

ʿUmar (r) traf einst auf Leute, die das Bogenschießen schlecht beherrschten, und tadelte sie dafür. Als sie innā qaumun mutaʿallimīn erwiderten, anstatt richtigerweise innā qaumun mutaʿallimūn zu sagen, wandte sich Umar (r) von ihnen ab und sagte: Bei Allah, die Fehler eurer Zunge sind schlimmer als eure Fehler im Bogenschießen! Ich hörte den Gesandten Allahs (s) sagen:

«رحِم اللهُ امرَءًا أصلحَ من لسانهِ»

Möge Allah Sich eines Mannes erbarmen, der seine Zunge richtet.

Der Koran ist in arabischer Sprache offenbart und niedergeschrieben worden. Daher kann er in keiner anderen außer in dieser Sprache verstanden werden. Somit ist jeder, der den geraden Weg befolgen und die Regeln der šarīʿa verstehen möchte, auf diese Sprache angewiesen. Wer also als Muslim seinen Glauben vervollkommnen will, sollte unbedingt sein Wissen über die Sprache dieses Glaubens vervollkommnen. Denn nur dann kann er den dīn so erlernen, wie ihn der Gesandte Allahs (s) seinen Gefährten (r) lehrte, und nur dann wird er die Sunna des Gesandten (s) korrekt befolgen können. So wussten die Gefährten, wie sie Allah (t) in richtiger Weise dienen können, und gehörten damit zu den Erfolgreichen.

Der Koran ist eindeutig und ausschließlich in arabischer Sprache offenbart worden. Derjenige, der nicht über ausreichende Kenntnisse des Arabischen verfügt, sollte sich keinesfalls dazu verleiten lassen, die Verse Allahs ohne die arabische Sprache zu erklären. Vielmehr sollte er diejenigen befragen, die über fundierte Kenntnisse des Arabischen verfügen, um von ihnen die Bedeutung der Verse zu erfahren. Es wäre grob fahrlässig, Aussagen über die Verse Allahs zu treffen, ohne adäquates Wissen darüber zu besitzen. Wer dies dennoch tut, lädt Allahs Zorn auf sich. Wir suchen Zuflucht bei Ihm, dem Gepriesenen, vor Seinem Zorn und vor dem Höllenfeuer, und wir bitten Ihn, den Gepriesenen, um Sein Wohlgefallen und Sein Paradies.

Die Befürworter der zweiten Aussage, dass es im Koran keine Metaphern (mağāz) gebe, gehören einer der beiden folgenden Gruppen an:

Die erste Gruppe ist der Meinung, dass in der arabischen Sprache sowohl (eigentliche) sprachliche Bedeutungen (aqīqa) als auch Metaphern (mağāz) existieren würden, im Koran aber nur sprachliche Bedeutungen (aqīqa) vorkämen.

Die andere Gruppe vertritt die Ansicht, Metaphern (mağāz) gäbe es weder in der arabischen Sprache noch im Koran. Demnach würde es sich bei allen Begriffen und Bedeutungen, die von den Arabern verwendet wurden, sei es in der normalen Sprache oder im Koran, um sprachliche Bedeutungen (ḥaqīqa) handeln.

Die Aussage der ersten Gruppe hält keiner Prüfung stand, da derjenige, der anerkennt, dass Metaphern (mağāz) in der arabischen Sprache existieren, konsequenterweise eingestehen muss, dass sie auch im Koran vorkommen können. Denn der Erhabene sagt über Seine Offenbarung:

﴿أَنْزَلْنَاهُ قُرْآنًا عَرَبِيًّا لَعَلَّكُمْ تَعْقِلُونَ

Wahrlich, Wir haben ihn als arabischen Koran herabgesandt.[12:2]

﴿وَهَذَا لِسَانٌ عَرَبِيٌّ مُبِينٌ

während dies hier eine klare arabische Sprache ist.[16:103]

Somit handelt es sich bei der Sprache des Koran zweifellos um arabische Sprache. Nun steht fest, dass die arabische Sprache sehr wohl Metaphern (mağāz) enthält und diese in der Sprache der Araber, in ihrem Stil und Sprachschatz verwendet wurden. Und da der Koran in der Sprache der Araber herabgesandt wurde, muss unweigerlich eingestanden werden, dass auch im Koran Metaphern (mağāz) vorhanden sind.

Außerdem erkennt man bei genauer Betrachtung ohnehin, dass der Koran Metaphern aufweist. Diese Tatsache kann niemand bestreitet, außer derjenige, der unwissend oder stur ist.

Betrachtet man z. B. die Aussage Allahs (swt)

﴿يَجْعَلُونَ أَصَابِعَهُمْ فِي آذَانِهِمْ

Sie stecken ihre Finger in ihre Ohren[2:19]

so erkennt man, dass der Ausdruck „Finger“ (aṣābiʿ) an dieser Stelle etwas anderes beschreibt, als das, wofür er in der Sprache eigentlich verwendet wird. Der Ausdruck steht hier für einen Teil der Finger, nämlich die Fingerspitzen, denn sie sind es, die tatsächlich in die Ohren gesteckt werden.

Auch bei der Aussage des Erhabenen

﴿وَاسْأَلِ الْقَرْيَةَ

und frage die Stadt[12:82]

handelt es sich um eine Metapher. Denn hier ist keineswegs gemeint, die Mauern und Gebäude der Stadt zu befragen. Stattdessen sind im übertragenen Sinne die Menschen gemeint, die in der Stadt leben. Folglich ist unter dem Vers zu verstehen, dass man die Bewohner der Stadt befragen soll.

Ebenso ist der Vers:

﴿فَسَالَتْ أَوْدِيَةٌ بِقَدَرِهَا

so fließen die Täler nach ihrem Maß[13:17]

als Metapher zu verstehen, denn es sind in Wirklichkeit nicht die Täler, die fließen, sondern das Wasser. So ist mit dem Begriff „Täler“ nicht die Senkung zwischen zwei Hügeln oder Bergen gemeint, wie es die sprachliche Bedeutung bezeichnet, sondern das Wasser, das darin fließt. Unter dem Vers sind also die Flüsse zu verstehen, die je nach Maß durch Täler fließen.

Ferner wird in der Aussage:

﴿فَتَحْرِيرُ رَقَبَةٍ مُؤْمِنَةٍ

so ist ein gläubiger Nacken zu befreien[4:92]

eine Metapher verwendet, denn es gilt nicht nur einen „Nacken“, sondern einen ganzen gläubigen Sklaven zu befreien. Somit bezieht sich auch hier der verwendete Begriff auf etwas anderes als das, was er eigentlich bezeichnet.

Auch bei der āya

﴿إِنِّي أَرَانِي أَعْصِرُ خَمْرًا

Ich sah mich Wein auspressen.[12:36]

handelt es sich um eine Metapher, denn das, was tatsächlich ausgepresst wird, sind die Trauben. Zwar wurde im Vers der Begriff Wein (amr) verwendet, gemeint sind jedoch die Trauben, aus deren Saft später der Wein entsteht. Auch hier kann nicht die sprachliche Bedeutung des Begriffs verstanden werden.

Im Koran finden sich etliche weitere Beispiele für das rhetorische Stilmittel der Metapher (mağāz), die niemand, der ihn aufmerksam und mit Bedacht liest, leugnen kann.