Konzeptionen Das Kalifat ist die Lösung des Nahostkonflikts

Der sogenannte Nahostkonflikt gilt als unlösbar. Angesichts der Lösungen, die zur Auswahl stehen, ist er tatsächlich nicht beizulegen. Wie will man die richtige Lösung finden, wenn schon das Problem falsch benannt wird? Es handelt sich nämlich nicht um einen Konflikt, sondern um die Präsenz einer zionistischen Besatzungsmacht, die die einheimische palästinensische Bevölkerung seit Jahrzehnten unterdrückt, ihres Eigentums beraubt und jede Form der Gewalt gegen Palästinenser anwendet. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man vom Nahostkonflikt spricht.

Jeder westliche Politiker und Diplomat weiß, dass weder die Einstaat- noch die Zweistaatenlösung den Nahostkonflikt je zu lösen vermag. Erst recht sollten es die Muslime wissen. Und es bliebe ein ewiger „Konflikt“, wenn es nicht eine echte Lösung gäbe, nämlich das Kalifat, auch wenn es auf den ersten Blick völlig abwegig erscheint, dass das Kalifat die Lösung für alle „Konfliktparteien“ darstellt. Das Kalifat ist zwar in erster Linie die verpflichtende Staatsform der Muslime, doch für die Juden ist es eine Erleichterung, denn es nimmt ihre Angelegenheiten als Menschen besser wahr, als es „Israel“ je könnte. Die Geschichte hat gezeigt, dass ein Leben zwischen Muslimen und Juden unter islamischer Herrschaft funktioniert, da das Zusammenleben von Gesetzen geregelt wird, die von Allah (t.) stammen, während ein Leben zwischen Juden und Muslimen unter zionistischer Herrschaft ausschließlich auf Unterdrückung basiert und von Hass und zionistischer Willkür abhängt.

Die Geschichte der Juden in Europa ist durchgehend von Verfolgung und Vertreibung geprägt. Es gab jedoch eine einzige Ausnahme, und zwar das islamische Spanien. Die Blüte jüdischen Lebens in Spanien begann im 8. Jahrhundert, nachdem Ṭāriq ibn Ziyād im Jahr 711 die Westgoten besiegte und al-Andalus für den Islam eröffnete, und endete mit dem Fall Granadas im Jahr 1492 und dem Ende der islamischen Herrschaft. Der Islam ermöglichte es den Juden sieben Jahrhunderte lang, mitten in Europa unbehelligt in Sicherheit zu leben, ihre Religion frei auszuüben und sich wissenschaftlich zu entfalten, ohne dass ihnen bestimmte Berufe vorgeschrieben und andere verboten wurden – außer dem, was allen Nichtmuslimen islamrechtlich untersagt ist, weil es sich um Aufgabenbereiche handelt, die das Selbstverständnis des Staates betreffen, wo es in jeder Staatsform selbstverständlich ist, dass sich die ausübende Person mit den Gesetzen des Staates und der ihm zugrunde liegenden Weltanschauung identifizieren muss. Genauso wie es in einer Demokratie undenkbar wäre, dass ein Nichtdemokrat Staatspräsident oder Regierungschef wird, ist es auch im Islam unzulässig, dass ein Nichtmuslim den Posten eines Kalifen oder Provinzgouverneurs übernimmt. Und dennoch gab es in Spanien eine regelrechte Blütezeit für jüdische Gelehrte und Wissenschaftler in den verschiedensten Wissenschaftsbereichen. Die Sicherheit, die Juden unter islamischer Herrschaft erfahren durften, steht in völligem Kontrast zu dem Leben, das sie heute in „Israel“ führen. Die Zeit unter islamischer Herrschaft gilt auch unter Juden bis heute als positives Beispiel jüdischen Lebens. Wäre es anders gewesen, hätten Juden die Erinnerung an eine schlechte Behandlung im Kalifat bis heute wachgehalten. In der islamischen Geschichte gab es jedoch nie eine Judenverfolgung, wie man sie aus der europäischen Geschichte kennt. Der Status der Juden war der von Schutzbefohlenen (ahl aḏ-ḏimma) und entsprach dem Status von Christen und anderen Nichtmuslimen im islamischen Staat. Diesbezüglich unterscheidet der Islam nicht zwischen den nichtislamischen Konfessionen, woran sich auch im kommenden Kalifat nichts ändern wird. Denn der Status eines Schutzbefohlenen wird vom Islam definiert und nicht von den Menschen.

Was geschah nun mit den Juden, nachdem Granada am Ende der Reconquista, der sogenannten Rückeroberung Spaniens, fiel und die islamische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel endete? Das Ende der islamischen Herrschaft bedeutete sowohl für Juden als auch für Muslime die Zwangschristianisierung, die Vertreibung oder aber den Tod. Das Edikt von Granada, das auch als Alhambra-Edikt bekannt ist und 1492 von König Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien erlassen wurde, ordnete die Vertreibung oder Zwangstaufe der Muslime und Juden an. Sie sollten Spanien innerhalb von vier Monaten verlassen und ihr Eigentum zurücklassen, sollten sie nicht das Christentum annehmen. Die vertriebenen Juden flüchteten daraufhin in Gebiete des Kalifats und suchten Sicherheit unter der islamischen Herrschaft, die sie schon kannten und mit der sie gute Erfahrungen gemacht hatten. Sie begaben sich in Gebiete des Osmanischen Reichs und nicht etwa in umliegende europäische Königreiche, wo sie ebenfalls nur Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt waren. Hätten nämlich die Juden im islamischen Spanien eine schlechte Behandlung erfahren, dann wären sie nicht erneut in islamische Herrschaftsgebiete gezogen. Doch konnten sie auf den Schutz der Muslime vertrauen. So entsandte der osmanische Sultan Beyazid II. sogar Schiffe, um sie zu retten, und nahm sie im Osmanischen Staat auf.

Die Juden begrüßten die islamischen Eröffnungen. Als die Muslime Bursa im Jahr 1326 eröffneten, empfanden die Juden die Ankunft der Muslime als Befreiung von den Byzantinern und sahen sie als Retter an. Auch die Eröffnung Konstantinopels im Jahr 1453 durch Muḥammad II., bekannt als Muḥammad al-Fātiḥ, wurde von den Juden begrüßt. Die Juden wussten damals, dass sie nirgendwo auf der Welt sicherer waren als im islamischen Staat. Yitzhak Sarfati, der Oberrabbiner von Edirne war, schrieb damals Briefe an die jüdischen Gemeinden in Europa und forderte sie auf, in den Osmanischen Staat zu ziehen, wo sie als Juden in Sicherheit leben und ihre Religion frei ausüben könnten. In den Gebieten, die von Muslimen eröffnet wurden, nahm die jüdische Bevölkerung sogar zu.

Seit der Gründung des Kalifats lebten Juden im islamischen Staat. Die Juden, die nach der Staatsgründung in Medina lebten, waren von Anfang an Teil der Gesellschaft des islamischen Staates und galten als Schutzbefohlene. Sie wurden im Vertrag von Medina berücksichtigt, worin das Zusammenleben zwischen ihnen und den Muslimen geregelt wurde. Darin wurde festgehalten, dass die Juden, die sich den Muslimen anschlossen, Schutz und Unterstützung erfahren sollten und dass niemand sich gegen sie verbünden durfte. Sie sollten ihre Religion frei ausüben dürfen, ohne zur Annahme des Islam gezwungen zu werden. „Die Juden haben ihren Glauben und die Muslime haben ihren Glauben“, heißt es in dem Vertrag. Der Vertrag von Medina regelte die Rechte und Pflichten für ein friedliches Zusammenleben und wurde von den jüdischen Stammesführern unterzeichnet. Erst der Vertragsbruch der jüdischen Stämme führte zu Konflikten.

Wirft man einen Blick auf die Gegenwart und das besetzte Palästina, erscheint die Vorstellung eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Muslimen und Juden als Utopie. Es ist eine Utopie, wenn das Zusammenleben unter einer tyrannischen zionistischen Herrschaft stattfindet, wie es heute im besetzten Palästina der Fall ist, wo Muslime nicht einmal ihr Gebet in der al-Aqsa-Moschee verrichten können, ohne dass israelische Besatzungstruppen gewaltsam eindringen und brutal auf die Betenden einprügeln. Kann aber die Lösung in der Beendigung der zionistischen Herrschaft in Palästina bestehen? Die Abschaffung der zionistischen Herrschaft ist nur ein Teil der Lösung. Würde man sie nicht durch eine islamische Herrschaft ersetzen und Palästina zu einem Teil des künftigen rechtgeleiteten Kalifats machen, hätten wir am Ende eine palästinensische Regierung mit Herrschern, die Vasallen westlicher Staaten sind, wie man es von den islamischen Ländern her kennt. Erst in einem Kalifat wird ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben zwischen Muslimen und Juden und ebenso zwischen allen anderen Religionsgemeinschaften möglich sein.