Islamische Kultur Die islamische Botschaft – Teil 7

Dies ist der siebte Teil der Einleitung in die Exegese (tafsīr) der Sure al-Baqara, basierend auf dem Buch „at-Taysīr fī uṣūl at-tafsīr“ von Scheich ʿAṭāʾ ibn Ḫalīl Abū ar-Rašta.

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen

Die Befürworter der zweiten Aussage, dass es im Koran keine Metaphern (mağāz) gebe, gehören einer der beiden folgenden Gruppen an:

Die erste Gruppe ist der Meinung, dass in der arabischen Sprache sowohl (eigentliche) sprachliche Bedeutungen (aqīqa) als auch Metaphern (mağāz) existieren würden, im Koran aber nur sprachliche Bedeutungen (aqīqa) vorkämen.

Die andere Gruppe vertritt die Ansicht, Metaphern (mağāz) gäbe es weder in der arabischen Sprache noch im Koran. Demnach würde es sich bei allen Begriffen und Bedeutungen, die von den Arabern verwendet wurden, sei es in der normalen Sprache oder im Koran, um sprachliche Bedeutungen (ḥaqīqa) handeln.

Die Aussage der ersten Gruppe hält keiner Prüfung stand, da derjenige, der anerkennt, dass Metaphern (mağāz) in der arabischen Sprache existieren, konsequenterweise eingestehen muss, dass sie auch im Koran vorkommen können. Denn der Erhabene sagt über Seine Offenbarung:

﴿أَنْزَلْنَاهُ قُرْآنًا عَرَبِيًّا لَعَلَّكُمْ تَعْقِلُونَ

Wahrlich, Wir haben ihn als arabischen Koran herabgesandt.[12:2]

﴿وَهَذَا لِسَانٌ عَرَبِيٌّ مُبِينٌ

während dies hier eine klare arabische Sprache ist.[16:103]

Somit handelt es sich bei der Sprache des Koran zweifellos um arabische Sprache. Nun steht fest, dass die arabische Sprache sehr wohl Metaphern (mağāz) enthält und diese in der Sprache der Araber, in ihrem Stil und Sprachschatz verwendet wurden. Und da der Koran in der Sprache der Araber herabgesandt worden ist, muss unweigerlich eingestanden werden, dass auch im Koran Metaphern (mağāz) vorhanden sind.

Außerdem erkennt man bei genauer Betrachtung ohnehin, dass der Koran Metaphern aufweist. Diese Tatsache kann niemand bestreitet, außer derjenige, der unwissend oder stur ist.

Betrachtet man z. B. die Aussage Allahs (swt)

﴿يَجْعَلُونَ أَصَابِعَهُمْ فِي آذَانِهِمْ

Sie stecken ihre Finger in ihre Ohren,[2:19]

so erkennt man, dass der Ausdruck „Finger“ (aṣābiʿ) an dieser Stelle etwas anderes beschreibt, als das, wofür er in der Sprache eigentlich verwendet wird. Der Ausdruck steht hier für einen Teil der Finger, nämlich die Fingerspitzen, denn sie sind es, die tatsächlich in die Ohren gesteckt werden können.

Auch bei der Aussage des Erhabenen

﴿وَاسْأَلِ الْقَرْيَةَ

und frage die Stadt[12:82]

handelt es sich um eine Metapher. Hier ist nämlich keineswegs gemeint, die Mauern und Gebäude der Stadt zu befragen. Stattdessen sind im übertragenen Sinne die Menschen gemeint, die in der Stadt leben. Folglich ist unter dem Vers zu verstehen, dass man die Bewohner der Stadt befragen soll.

Ebenso ist der Vers:

﴿فَسَالَتْ أَوْدِيَةٌ بِقَدَرِهَا

so fließen Täler nach ihrem Maß[13:17]

als Metapher zu verstehen, denn es sind in Wirklichkeit nicht die Täler, die fließen, sondern das Wasser. So ist mit dem Begriff „Täler“ nicht die Senkung zwischen zwei Hügeln oder Bergen gemeint, wie es die sprachliche Bedeutung bezeichnet, sondern das Wasser, das darin fließt. Unter dem Vers sind also die Flüsse zu verstehen, die je nach Maß durch Täler fließen.

Ferner wird in der Aussage:

﴿فَتَحْرِيرُ رَقَبَةٍ مُؤْمِنَة

so ist ein gläubiger Nacken zu befreien[4:92]

eine Metapher verwendet, denn es gilt nicht nur einen „Nacken“, sondern einen ganzen gläubigen Sklaven zu befreien. Auch hier bezieht sich der verwendete Begriff auf etwas anderes als das, was er eigentlich bezeichnet.

Ebenso handelt es sich bei der āya

﴿إِنِّي أَرَانِي أَعْصِرُ خَمْرًا

Ich sah mich Wein pressen.[12:36]

um eine Metapher, denn das, was tatsächlich ausgepresst wird, sind die Trauben und nicht der Wein. Zwar wurde im Vers der Begriff Wein (amr) verwendet, gemeint sind jedoch die Trauben, aus deren Saft später der Wein entsteht. Auch hier kann nicht die sprachliche Bedeutung des Begriffs verstanden werden.

Im Koran finden sich etliche weitere Beispiele für das rhetorische Stilmittel der Metapher (mağāz), die niemand, der ihn aufmerksam und mit Bedacht liest, leugnen kann. Folglich existieren Metaphern sowohl in der arabischen Sprach als auch im Koran.