Ausland Die Wahl Zardaris zum Präsidenten Pakistans

Vor einigen Tagen wurde Benazir Bhuttos Witwer, Asif Zardari, vom Wahlausschuss des pakistanischen Parlaments zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Was bedeutet diese Wahl nun für das Kräfteverhältnis in Pakistan?

Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen
Vor einigen Tagen wurde Benazir Bhuttos Witwer, Asif Zardari, vom Wahlausschuss des pakistanischen Parlaments zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Was bedeutet diese Wahl nun für das Kräfteverhältnis in Pakistan?
Als Bhuttos Ehemann stand er eher den Briten nahe und nicht den Amerikanern. Wie kommt es nun, dass die USA seine Wahl unterstützten und kein Veto dagegen einlegten, wo doch bekannt ist, wie wichtig Pakistan für die amerikanischen Hegemonialinteressen in der Region ist, vor allem im Hinblick auf den so genannten „Kampf gegen den Terror“? Stand nicht Pakistans Premierminister Gilani den Amerikanern näher? Warum ist die Wahl dann nicht auf ihn gefallen? Im Folgenden wird die Situation anhand einer Kurzanalyse durchleuchtet:
1. Zuerst ist festzustellen, dass sowohl Zardari als auch Gilani sich in den Händen der USA befinden. Beide erklärten ihre Bereitschaft, den Wünschen der USA zu entsprechen und mit ihnen in der wichtigsten Frage zusammenzuarbeiten, um die sich die Hegemonialpläne der USA in der Region drehen, nämlich den so genannten „Kampf gegen den Terror“. Die Positionen beider Personen in dieser Frage und ihre betreffenden Erklärungen sind klar und deutlich und haben diesbezüglichen sowohl politisch als auch am Boden der Realität keinen Zweifel hinterlassen. Darüber hinaus haben die USA die Armeeführung in der Hand, so standen sie hinter der Ernennung Kiyanis zum Nachfolger Musharrafs an der Spitze der pakistanischen Streitkräfte. Es ist bekannt, dass die Armee den entscheidenden Machtfaktor im Lande verkörpert und auf die Politik großen Einfluss nimmt.
2. Reza Gilani ist zweifelsohne die stärkere Persönlichkeit von beiden und fähiger dazu, die Pläne der USA umzusetzen. Zardari ist hingegen bekannt für seine offenkundige Korruptheit und seine schwache Persönlichkeit. So war er in der Politik stets nur als „Ehemann Bhuttos“ bekannt und nicht unter seinem eigenen Namen. Dies hat er auch selbst zugegeben und offen erklärt, dass er nur deswegen Bekanntheit erlangte und ins politische Establishment eintreten konnte, weil er der Ehemann Benazir Bhuttos war. Warum die USA ihn trotzdem unterstützt und ins Präsidentenamt gehievt haben, hat zwei Gründe:
Erstens: Die USA wollten Großbritannien zufriedenstellen und den britisch-loyalen Flügel in der pakistanischen Volkspartei (PPP) beruhigen, damit es zu keiner tieferen politischen Krise im Lande kommt und die Situation den USA möglicherweise entgleiten könnte. Zardari befand sich mit Bhutto jahrelang im britischen Exil. In diesen Jahren vermochten es die Briten, die Loyalität Bhuttos für sich zu gewinnen und dadurch eine Reihe von Persönlichkeiten in der PPP zu beeinflussen. Die Tatsache, dass Zardari Bhuttos Witwer ist, beruhigt die Briten und gibt ihnen Hoffnung, dass er ihnen ihre Arbeit in Pakistan erleichtern wird. Somit kann die Wahl Zardaris als eine Art Zugeständnis der USA an die Briten verstanden werden, wobei die USA dadurch nicht viel verlieren, weil sich Zardari fest in ihrer Umklammerung befindet.
Zweitens: Die Entwicklung in Pakistan geht offensichtlich dahin, die Regierungsmacht in Händen des Premierministers zu konzentrieren und die Befugnisse des Staatspräsidenten zu beschneiden. Demzufolge wird die Position des Premierministers die stärkere sein und folglich auch die Position desjenigen, der sie besetzt. Nachdem der von seiner Persönlichkeit her stärkere Gilani das Amt des Premierministers bekleidet und sich genauso – wenn nicht noch stärker – den USA in die Arme geworfen hat, ist die jetzige Situation für die USA vermutlich noch günstiger, als wenn Gilani das Amt des Staatspräsidenten bekleiden würde.
Die Situation in Pakistan wird aber weiter angespannt bleiben und das Land von einer Krise in die nächste stürzen. Vor allem in den Stammesgebieten und im Suwat-Tal geht die Entwicklung weiter in Richtung Eskalation, nachdem die USA ihren „Krieg gegen den Terror“ zusehends auf pakistanischen Boden verlegen. Hier geht es nicht nur um muslimische Menschenleben, sondern die Einheit Pakistans steht auf dem Spiel.