Inland „Wir brauchen eine andere Integration“

Dr. Lale Akgün: Es wäre sehr verkürzt, einseitig den Aspekt radikaler junger Muslime herauszuheben. Was interessant ist: Es gibt offenbar zwei Risikogruppen, die schlecht ausgebildeten Globalisierungsverlierer und die Studierenden. Das ist bei den Rechtsradikalen auch so.

Die Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Lale Akgün, warnt vor der Flucht in die Religion als eine Ideologie
MOPO: Was halten Sie von der Studie?
Dr. Lale Akgün: Es wäre sehr verkürzt, einseitig den Aspekt radikaler junger Muslime herauszuheben. Was interessant ist: Es gibt offenbar zwei Risikogruppen, die schlecht ausgebildeten Globalisierungsverlierer und die Studierenden. Das ist bei den Rechtsradikalen auch so.
MOPO: Was bedeutet das?
Akgün: Es zeigt, dass diese radikalen Muslime den Islam nicht als Religion, sondern als Ideologie sehen. Das sollte man sauber trennen von den normalen Muslimen, den frommen und nicht frommen, die eine normale Religiosität an den Tag legen. Bei den Radikalen sehen sich gerade die Gebildeten als die Diskriminierten der Gesellschaft. Sie sagen: Wir werden verfolgt, nur weil wir glauben.
MOPO: Wie sollte auf die Studie reagiert werden?
Akgün: Ich verlange, dass der Innenminister die deutsche Islamkonferenz sofort einstellt. Denn sie ist eine Zusammenkunft mit genau den organisierten Leuten, die zum Teil dieser islamisch-autoritären Lebensweise nachhängen und nicht den liberalen Islam vertreten. Die Islamkonferenz ist kontraproduktiv. Er muss Konsequenzen ziehen und neue Wege gehen.
MOPO: Welche?
Akgün: Wenn ich junge Menschen habe, die sich mehr als Muslime denn als Staatsbürger fühlen, und dazu ihre Benachteiligung sehe, müssen wir eine andere Integration betreiben. Wir müssen aufhören mit der Ausgrenzung. Es sind deutsche Kinder, die radikal werden und zu Gewalt neigen! Unser Nachwuchs macht Quatsch – aus diesem Gefühl heraus müssen wir Lösungen suchen.
Quelle: MOPO