Kommentar Israel schneidet den Jordangraben vom Rest der Westbank ab

Während die internationale Gemeinschaft im letzten Sommer mit dem Abzug aus dem Gazastreifen beschäftigt war, bereitete Israel einen anderen Ablösungsprozess vor, der unbemerkt blieb: 2005 schloss Israel einen Abtrennungsprozess des östlichen Sektors der Westbank, einschließlich des Jordangrabens, ab.

Fruchtbarer Jordangraben durch die Zionisten von der Westbank abgeschottet -Apartheidenklave Palästina?


Während die internationale Gemeinschaft im letzten Sommer mit dem Abzug aus dem Gazastreifen beschäftigt war, bereitete Israel einen anderen Ablösungsprozess vor, der unbemerkt blieb: 2005 schloss Israel einen Abtrennungsprozess des östlichen Sektors der Westbank, einschließlich des Jordangrabens, ab. Etwa 2 Mill. Palästinensern, Bewohnern der Westbank, wird verboten, das Gebiet zu betreten, das etwa ein Drittel der Westbank, den Jordangraben, das Gebiet um das Tote Meer und die östlichen Hänge der Judäischen Berge umfasst.
Militärische Quellen berichteten, dass die Maßnahmen aus „Sicherheitsgründen“ von der IDF vorgenommen worden waren und dass es „keine Verbindung zu irgendwelchen politischen Absichten“ gäbe. Bewegungseinschränkungen für die Palästinenser hätte es im Jordantal nach und nach schon von Beginn der 2. Intifada an gegeben; sie seien „nur ausgedehnt“ worden. Aber das radikale Verbot für Palästinenser, das Gebiet zu betreten, wurde in der Tat nach dem 16. März 2005 erlassen, als man den Palästinensern in Jericho die Verantwortung für die Sicherheit übertragen hatte. Zur damaligen Zeit – sagen palästinensische Quellen – hätte man palästinensischen Reisenden, die von der Allenby-Brücke (der einzigen Verbindung ins Ausland) kamen, die Durchfahrt durch das Jordantal verboten, auch wenn sie in den Norden der Westbank oder in Dörfer am Rande des Jordantales und in der Nähe der dortigen Checkpoints wollten. Außerdem wurde seitdem den Bewohnern von Jericho und dem Rest der Westbank verboten, durch den Ouja-Kontrollpunkt, nördlich von Jericho, in Richtung Jordantal zu fahren.
Das Verbot betrifft auch Tausende von Bewohnern von Städten und Dörfern der nördlichen Westbank wie Tubas und Tamun, deren größter Teil ihres Landbesitzes im Jordantal liegt; einige dieser Bewohner haben außerdem jahrelang im Jordantal gelebt. Die Bewohner der Jordantaldörfer sind eng mit den Familien der Westbankdörfer verbunden oder durch gemeinsames Land, durch Arbeit, Schule, medizinische und soziale Versorgung.
Von diesem Verbot betroffen sind auch Palästinenser, die jahrelang ihren Lebensunterhalt durch landwirtschaftliche Saisonarbeit im Jordantal gemacht haben oder die mehreren Tausend Beduinen und Schafhirten, die dort auf Dauer in Zelten oder Hütten leben, aber als Einwohner der Städte und Dörfer in der Nähe registriert sind. Seit Beginn der Intifada ist es Palästinensern verboten, die Straße 90, die Talstraße, zu benützen. Sie darf nur von Bewohnern des Jordantales und nur nördlich von Jericho befahren werden. Dieses Bild eines so großen, völlig abgeschnittenen palästinensischen Gebietes von der restlichen Westbank tauchte nach Fahrten und Gesprächen auf, die in diesem Gebiet im Laufe der letzten Wochen durchgeführt wurden, auch aus Zeugnissen, die B’tselem gesammelt und von Berichten offizieller Mitarbeiter des UN-Büros für die Koordination für humanitäre Angelegenheiten. Vier Dauerkontrollpunkte sichern ab, dass die Durchfahrt Palästinensern verwehrt wird, deren Personalpapiere sie nicht als Bewohner des Jordantales ausweisen. Die Durchfahrt ist nur ein paar Tausend Besitzern von Sonderausweisen der Zivilverwaltung und etwa 5000 Palästinensern, die in den Siedlungen arbeiten, gestattet.
Etwa 1500 von denen, die eine Genehmigung der Zivilverwaltung haben (nur 3 Monate lang gültig, wird selten verlängert) sind Bewohner der Gegend um Tubas, die dort Land besitzen und im Jordantal arbeiten. Ein paar Hundert sind Lehrer und im Gesundheitswesen tätig. Die übrigen sind Händler und Fahrer.
Sondergenehmigungen werden bei „humanitären Fällen“ gewährt, wie Hochzeiten, Familienangelegenheiten, Beerdigungen etc. und müssen im Voraus mit der zivilen Verwaltung und dem Militär abgesprochen werden. Um das Verbot zu kontrollieren führen die IDF häufig nächtliche Streifzüge in den Dörfern im Jordantal durch. Palästinenser, die dort nicht als Bewohner registriert sind, werden zum Taysir-Kontrollpunkt gefahren und dort rausgeschmissen. Die Soldaten konfiszieren die Personalkarten von denen, die eine „unkorrekte“ Adresse haben. Eine IDF-Quelle, die die oben erwähnten Bewegungsbeschränkungen für Palästinenser im Jordantal bestätigte, sagte, es sei die einzige Möglichkeit, ein so großes Gebiet wie das des Jordantals zu schützen, indem man Reisebeschränkungen auferlegt, Kontrollpunkte errichtet und den Verkehr dirigiert, damit die jüdischen Gemeinden und die Straße 90 als strategische Durchfahrtsstraße geschützt seien.
Dieser Artikel von Amira Hass erschien in der israelischen Zeitung Ha’aretz
Kommentar von kalifat.com:
Mit diesen Maßnahmen plant die zionistische Besatzungsmacht offenbar, die Westbank auch im Osten vom Jordangraben her abzusperren. Somit verwandelt sich das Gebiet des zukünftigen „palästinensischen Staates“ tatsächlich in ein großes Gefängnis, das durch Trennmauer und Absperrzaun von allen Seiten abgetrennt wurde. Den Palästinensern wird damit systematisch jede Entwicklungsmöglichkeit entzogen, um sie arm zu halten und zu einem Volk von (erpressbaren) Almosenempfängern zu verwandeln. Wie aus dem o. a. Bericht klar hervorgeht, handelt es sich dabei um eine gezielte Politik, die offenbar auch von der Schutzmacht Israels, den USA, gedeckt, vielleicht sogar gefördert wird.