Kommentar Auf der falschen Seite – Amerikas neue Marionette

„Gegenwärtig wird die äthiopische Armee zu einer lokalen Söldnerarmee im Dienste der Amerikaner umfunktioniert, die gegen irgendein Land in der Region benützt werden kann.“

„Gegenwärtig wird die äthiopische Armee zu einer lokalen Söldnerarmee im Dienste der Amerikaner umfunktioniert, die gegen irgendein Land in der Region benützt werden kann.“ Mohamed Hassan, äthiopischer Politologe und Ex-Diplomat“. Durch die als krank bewertete Invasion von Somalia ist Äthiopien zu einem Komplizen in Bushs „Krieg gegen den Terror“ geworden.
Wenn uns das 20. Jahrhundert überhaupt etwas gelehrt hat, dann die Tatsache, dass mächtige Armeen durch kleine Kämpfergruppen, die keine Angst haben zu sterben, in die Knie gezwungen werden können. Das kleine Vietnam demütigte das mächtige Amerika und die „Steinzeit“-Mudschaheddin von Afghanistan haben die sowjetischen Armeen zum Teufel gejagt. Mit all diesen Tatsachen, stellt sich nun die berechtigte Frage, warum der äthiopische Premierminister Meles Zenawi seine Armee nach Somalia geschickt hat?
Die Übergangsregierung kämpfte in einem Bürgerkrieg gegen die Union islamischer Gerichte (UIC). Meles kann zwar glauben, dass diese den Rückhalt der Menschen habe, aber das wirft die Frage auf: Wenn diese Übergangsregierung so populär war, warum benötigte sie dann die äthiopische Armee, um zu überleben und das Land unter ihre Kontrolle zu bringen?
Äthiopien führte einen Krieg gegen die somalische Regierung Ende der 70er Jahre und in den frühen 80ern, aber es hat Frieden an den Grenzen für über eine Dekade gegeben. So kann Äthiopien also nicht auf interne Sicherheitsinteressen hindeuten und sich selbst erlauben, in das Nachbarland einzudringen.
Die Krise ist jetzt scharf eskaliert, mit der Aufstellung der US Marinestreitkräfte, um die Kämpfer der Union islamischer Gerichte an der Flucht zu hindern, da die USA behauptet, dass einige von ihnen zu „Terrororganisationen“ Verbindungen haben, einschließlich Al-Qaida.
Gegen die äthiopische Invasion wird zweifellos von den somalischen Patrioten Widerstand geleistet. Die Invasion wird zunächst als erfolgreich eingestuft, weil es einen Anschein von Recht und Ordnung schaffen wird. Aber die verdrängte Union der Islamischen Gerichte (UIC), obgleich sie durch interne Plänkelei geschwächt wurde, wird sich sichere Zufluchtsorte in der Nähe suchen, sich neu gruppieren und seine Verfechter zurückdrängen.
Die UIC weiß, dass, wenn sie vor einer herkömmlichen Armee steht, die von einer Luftwaffe unterstützt wird, es die beste Option ist, in das Gestrüpp oder hinter den Dünen in der Wüste zu verschwinden. Die Somalis sind auf diese Weise über Jahrhunderte „verschwunden“ und immer wieder zurückgekommen, um die zu bekämpfen, die behaupten, sie besiegt zu haben.
Die Gefahr dieses Mal ist, dass der Widerstand auch in andere Länder überschwappen wird. Eritrea, das seinen eigenen teuren Krieg gegen Äthiopien führte, benötigt keine Einladung, dem Feind seines Feindes zu helfen. Es wird auch gesagt, das die UIC finanzielle Unterstützung von reichen Führern mitfühlender islamischer Gemeinschaften empfängt, aus Ländern wie Saudi-Arabien, dem Jemen und dem Golfscheichtum. Und der explosivste Brennstoff wird die Beteiligung der USA auf der Seite Äthiopiens sein. Es wurde berichtet, dass General John Abizaid, Kommandeur für das US Zentralkommando, Äthiopien letzten Monat besucht hat, nachdem Äthiopien aufhörte, die somalische Regierung mit „militärischem Rat“ zu beliefern, um die bewaffnete Intervention einzuleiten.
Mit dieser Invasion verbundene US-Zielsetzungen sind unter anderem, den Zugang zum Roten Meer für seine Öltanker zu schützen und die „Al-Qaida-Zellen“ daran zu hindern, in Somalia oder in Äthiopien „einzusickern“. Nach dem grünen Licht aus Washington hat Äthiopien der islamischen Welt mit seiner Invasion klargemacht, dass es der USA in seinem „Krieg gegen den Terror“ beigetreten ist.
Aber kann Äthiopien es sich leisten, allgemein als eine US-Marionette angesehen zu werden? In der Afrikanischen Union (AU), die ihren Hauptsitz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba hat, verursacht die US Politik bereits ein enormes Durcheinander. Über Monate hat die AU erfolglos versucht, den UN-Sicherheitsrat zu überzeugen, die AU-Streitmacht in Darfur (Sudan) zu verstärken. Dennoch war innerhalb der Tage von Äthiopiens Invasion, der Sicherheitsrat unter US-Veranlassung in der Lage, eine Resolution zur Versendung einer AU-Streitmacht nach Somalia zu verabschieden. Es ist offensichtlich, dass die USA die Invasion legitimieren möchte, indem sie diese unter den Schutz der AU, die über Monate gedemütigt wurde, stellt.
Als eines der ärmsten Länder der Erde muss Äthiopien die Solidarität der „Weltbösewichte“ haben. Indem es zulässt, mit George Bushs Außenpolitik verbunden zu sein, setzt es sich auf die falsche Seite des Kampfes zwischen den Schwachen und den Starken.
Dieser Artikel von Cameron Duoduerschien am Freitag, den 5. Januar 2007 in „The Guardian“
Quellenangabe:http://www.guardian.co.uk/commentisfree/story/0,,1983296,00.html