Inland Was hat Deutschland aus seiner Geschichte gelernt?

In Anbetracht dessen, dass im Geschichtsunterricht das Thema Nationalsozialismus so oft durchgenommen wird, dass Schüler es nicht mehr hören können, und im Fernsehen ständig Dokumentationen über Hitler und Konsorten gezeigt werden, sollte man meinen, dass die Deutschen ihre Lektion gelernt hätten. Jedoch hat sich gezeigt, dass dieses Antibiotikum wirkungslos und der Fremdenhass multiresistent geworden ist.

In Anbetracht dessen, dass im Geschichtsunterricht das Thema Nationalsozialismus so oft durchgenommen wird, dass Schüler es nicht mehr hören können, und im Fernsehen ständig Dokumentationen über Hitler und Konsorten gezeigt werden, sollte man meinen, dass die Deutschen ihre Lektion gelernt hätten. Jedoch hat sich gezeigt, dass dieses Antibiotikum wirkungslos und der Fremdenhass multiresistent geworden ist.

Jedes Jahr wird der 9. November 1938 ins Gedächtnis gerufen und an die Reichspogromnacht erinnert, damit sich – so die Intention – die Geschichte nicht wiederholt. Geführt hat es aber nur zu einem falschen Antisemitismusverständnis und der Unterdrückung einer gesunden Israelkritik. Verhindern konnte es jedoch nicht, dass ein fremdenfeindlicher Mob mit Fackeln durch die Straßen zieht, Gebäude in Brand steckt und den Tod von Menschen bereitwillig in Kauf nimmt.

Fast täglich füllen Meldungen die Nachrichten von Flüchtlingsunterkünften, die in Brand gesteckt wurden, um zu verhindern, dass Flüchtlinge dort untergebracht werden. Diese Meldungen sind inzwischen zur Normalität geworden, der menschenverachtende Umgang mit den Flüchtlingen ebenso. Ob sich die Öffentlichkeit wohl auch daran gewöhnen könnte, wenn regelmäßig Synagogen brennen? Faktisch gibt es keinen Unterschied, ob ein Gebäude brennt, das als Flüchtlingsheim dienen soll, oder ein Gebäude, das eine Synagoge darstellt. Medien und Politik scheinen hier aber gravierende Unterschiede zu machen.

Denn anstatt die Situation zu entschärfen, dramatisiert man die ganze Flüchtlingsthematik, wenngleich ein reicher Staat wie Deutschland weitaus weniger Flüchtlinge aufnimmt als viel ärmere Staaten wie Jordanien oder der Libanon, wohin beispielsweise ein Großteil der Syrer geflüchtet ist. Deshalb ist das politische Gejammer um die zunehmende Flüchtlingszahl nicht adäquat. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die politische und mediale Propaganda gegen Flüchtlinge in der deutschen Bevölkerung irreale Ängste schürt, so dass inzwischen jegliche Hemmung gefallen ist, Flüchtlingsheime anzuzünden. Jedes Flüchtlingsheim, das brennt, ist nur noch eine Unterkunft mehr in der Statistik der in Brand gesteckten Flüchtlingunterkünfte. Die Öffentlichkeit hat sich inzwischen an solche Nachrichten gewöhnt.

Wenn die Deutschen aus ihrer eigenen Geschichte nicht gelernt haben, so könnten sie vielleicht aus der Geschichte der Muslime lernen. Dies gilt natürlich auch für andere europäische Länder wie Großbritannien, die enorm viel Geld ausgeben, um die Flüchtlinge nicht ins Land zu lassen, anstatt nur einmal in ihrer Geschichte Menschlichkeit zu zeigen und dieses Geld für und nicht gegen die Flüchtlinge einzusetzen. Wenn man nicht in kapitalistischen, sondern in islamischen Maßstäben denkt, sieht man im Flüchtling nicht einen Schmarotzer, der einem die Wurst vom Brot essen will, sondern den Menschen, dessen Leben und Existenz bedroht ist und der auf Hilfe angewiesen ist.

Geradezu beispiellos in der Geschichte ist das Handeln des Kalifen Bayezid II., der zwischen 1481 und 1512 regierte. Im Jahr 1492, also während der Regierungszeit Bayezids II., endete die Reconquista, die sogenannte Rückeroberung Spaniens, als Granada, das letzte Herrschaftsgebiet der Muslime auf der Iberischen Halbinsel, in die Hände der Nichtmuslime fiel. Eine Zeit der Verfolgung, Zwangsbekehrung und Vertreibung begann. Diejenigen, die sich zwangsbekehren ließen – Muslime wie Juden –, standen trotz allem unter dem Verdacht, ihren ursprünglichen Glauben im Geheimen weiter zu praktizieren. Sie waren daher immer Opfer der Spanischen Inquisition. Auf der Grundlage des Alhambra-Edikts von 1492 wurden schließlich alle Juden in Spanien dazu aufgefordert, entweder das Christentum anzunehmen oder das Land zu verlassen. Daraufhin veröffentlichte Bayezid II. ein Dekret, worin er die Juden im islamischen Staat willkommen hieß. Dies veranlasste Sie dazu, in das Osmanische Reich auszuwandern, wo sie unbehelligt und sicher leben konnten.

Es ging hierbei nicht nur um ein paar Hundert Juden, die der islamische Staat aufnehmen wollte. Die Zahl bewegte sich zwischen 120.000 und 150.000. Die Flüchtlinge mussten sich auch nicht an irgendwelche Schleuser wenden und einen lebensgefährlichen Fluchtweg antreten. Der Kalif schickte ihnen Schiffe, die sie in Sicherheit bringen sollten. Sowohl die aus Spanien als auch die aus Portugal vertriebenen Juden wurden vom islamischen Staat in großer Zahl aufgenommen, ohne dass ein wütender Mob auf sie losgegangen wäre. Bayezid II. soll die Ausweisung der Juden aus Spanien wie folgt kommentiert haben: „Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen.“ Von einer solchen Einstellung ist der Westen, der sich stets aufgrund der sogenannten Aufklärung rühmt, weit entfernt.